Grenzen

Wann überschreite ich Grenzen?

 

Wenn ich meine Emotionen, meine Ansichten und ungeheilten Themen auf andere übertrage und der Meinung bin, dass meine Ansicht die einzig Wahre ist.

 

Haben wir das alle nicht schon mal erlebt? Ich bekomme ein Hundebaby und der nette Nachbar von nebenan überfällt einem gleich mit Tipps, wie man am besten einen Welpen zu erziehen hat. Ich sitze gemütlich mit Freunden beim Abendessen und lehne das Glas Rotwein ab und werde belächelt, weil ich nicht mal ein Glas Rotwein mittrinken mag. Man erzählt, dass es zu Weihnachten einen Gänsebraten gibt und bekommt gleich erzählt wie unachtsam das Leben mancher Tiere ist und wird quasi mit einem Massenmörder gleichgestellt.

Ich glaube, die Liste ist noch unendlich weiter zu führen. Wir alle haben es in diesem einen oder anderen Moment erlebt und oft bleibt einem wirklich die Sprache weg oder man fühlt sich persönlich angegriffen, weil man es allein auf sich bezieht. Ich nehme mich da nicht aus. Früher ging ich den Teil der Rechtfertigung an und heute versuche ich mir oft auf die Zunge zu beißen. Mein Feuer in Fach zu halten und auch manchmal lecke ich meine Wunden hinter der verschlossenen Tür, wo ich Mühe habe zu schauen, welche ungeheilten Themen gerade da bei mir hochkommen.

 

Als Kind hatten wir oft keine andere Wahl und „mussten“ mit dem Strom mitschwimmen, weil die Gesellschaft das so wollte. Auch waren unsere Eltern oft damit überfordert einen „kleinen Revolutionär“ bei sich zu haben. Es musste der Teller aufgegessen werden, obwohl man keinen Hunger hat. Die jahrelangen Ansichten und Erziehungsmaßnahmen wurden durchgesetzt, ob sich das stimmig und richtig anfühlt, darüber wurde nicht nachgedacht.

 

Wenn man erwachsen ist, lebt man oft das weiter. Entwickelt seine eigene Ansicht und zieht sich die Menschen in sein Leben, die in „meinem Strom“ mitschwimmen und sich „manipulieren“ lassen. Denn es gibt ja nichts Schlimmeres, als ständig jemand zu haben, der einem beim Wettern nicht die Hand hält und ja sagt. Oft merkt man aber gar nicht, dass das System aus dem Gleichgewicht gerät.

Ich nehme mir heute das Recht raus, für mich und meine Tiere zu entscheiden, was sich gut anfühlt. Sicherlich unter Rücksicht, dass keiner zu Schaden kommt. Wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr zu Tisch gerufen werden zu müssen, um den Teller leer zu essen, dann mache ich das auch nicht.

 

Wenn sich etwas schlecht anfühlt, egal wo auch immer ich das spüre, dann gebe ich mir den Raum für die Entscheidung und sage eben auch klar „NEIN“ zu etwas.

 

Das Schöne ist, dass ich Menschen in mein Leben ziehe, die nicht unbedingt meine Ansicht teilen, aber die Grenze bewahren und diese nicht ungefragt überschreiten. Wenn ich mich heute mit einer Freundin unterhalte, dann frage ich, ob sie wissen möchte, was ich an ihrer Stelle machen würde.


Früher habe ich auch ungefragt Tipps und Ratschläge gegeben und klar Grenzen überschritten.

Wenn ich mich erwische, mich maßlos über etwas aufzuregen, was nicht meine Baustelle ist, dann merke ich, dass noch einiges festhängt. Auch ich, darf hin und wieder noch erleben, dass man versucht mir seine Ansichten unterzujubeln. Worauf ich aber merke, dass eben das Kind in mir, nicht das klare NEIN gesagt hat, um der Konfrontation aus dem Weg zu gehen, man es leid ist, sich ständig durchzusetzen. Ein altes "erlentes" Muster.

 

Mit Menschen die versuchen, ihre Ansichten auf mich zu übertragen, gehe ich eine Weile mit, versuche klar etwas "Speed" aus der Sache zu nehmen. Merke ich, dass mein Gegenüber gefangen ist in seiner eigenen Struktur, ziehe ich alleine weiter und heile meine inneren Verletzungen um gestärkt meinen Weg weiter zu gehen.

 

Wenn ich mit unterschiedlichen Menschen zusammensitze und jedem seine Ansicht lassen kann, offen darüber diskutieren kann, ohne mich persönlich angegriffen zu fühlen oder nicht in die unterste Schublade greife und den Hammer raushole, damit mein Gegenüber wehrlos ist, erst dann wird der Raum frei und ich bin bei mir angekommen.

 

Meine Ansichten die ich lebe, muss nicht die Ansicht der anderen sein. Solange ich Achtsam und mit Respekt durchs Leben gehe.