Was bin ich bereit zu geben?

Waren wir bereits nicht alle schon mal in der ein oder anderen Situation, in der wir uns machtlos ausgeliefert gefühlt haben? Den Wunsch hatten, wie ein Kind von der Mutter über die Stirn gestreichelt zu bekommen und den Satz zu hören "alles wird gut"?

Auch, wenn unsere Mütter vielleicht nicht wussten, ob alles gut wird, so war alleine der Satz beruhigend und es nahm die Angst, sollte nicht alles gut werden, so sind wir nicht alleine.

 

Wer wünscht sich das nicht, in den Schlaf gewiegt zu werden, morgens aufzuwachen und es ist in der Tat alles gut. Die Sorgen und Ängste von gestern, bleiben im gestern, weil heute ein neuer Tag ist...

 

Ich denke, jeder kann dem mitfühlen und hat sich bereits in solchen Situationen wiedergefunden.

 

Wenn man im Leben steht, kommen Situationen, die einem vorkommen als würde man auf einer Klippe stehen und lediglich der Sprung ins kalte Wasser ist die einzige Option...,weil von der anderen Seite jemand uns an die Klippe drängt

Arbeite ich mit Tieren, die schwer traumatisiert sind, dann reichen die Worte "alles ist gut" nicht aus aber, sie nehmen mein Angebot an, ich reiche ihnen die Hand und geh mit ihnen ein Stück des Weges. Heile alte Verletzungen, mache ganz und heile, was zerbrochen wurde. Manchmal bleiben kleine Narben zurück, die aber lediglich daran erinnern,  was war...der Schmerz dahinter ist jedoch weg.

 

Nun als Mensch, sucht man sich Hilfe, nimmt das Angebot an und der ein oder andere hofft, den Weg getragen zu werden. Huckepack genommen zu werden und über die Ziellinie hinaus getragen zu werden. In den Armen in den Schlaf gewiegt zu werden, während man dann selig schlummert, löst ein anderer das Problem. Tja, sicherlich ist meine Arbeit magisch, vieles nicht greifbar und nicht immer zu erklären. Doch einen Zauberstab besitze ich nicht. 

 

Auch merke ich, dass das Tragen mancher verletzten Seele, mich schwer und müde macht, mich ausbremst.

 

Was bin ich bereit zu geben und zu tun, was kann ich machen?

 

Sitzt man in einem Loch, fühlt sich als Opfer, dann halte ich die Hand hin. Ich helfe dabei, wie man einen Weg findet, aus dem Loch raus zu kommen. Löse alte Fesseln, die einem in diesem Loch festhalten. Ich rüste ggf. aus, mit einer warmen Decke, mit Proviant, begleite ein Stück des Weges und helfe bei Bedarf vielleicht noch den ein oder anderen Stein aus dem Weg zu räumen. Doch eines mache ich nicht...ich sage nicht, welchen Weg man einschlagen soll...ich erwähne vielleicht lediglich noch, was einem bei diesem oder anderen Weg erwarten könnte, wenn man mich danach fragt.

 

Ich manipuliere nicht, die Verantwortung darf ein jeder selbst tragen. Ich fühle mit und helfe wieder heile zu werden.

 

Als ich den Weg eingeschlagen habe, hatte ich Menschen, die wussten was gut für mich ist, Sagten mir, welche Abzweigung an der Kreuzung zu nehmen ist. Sicherlich bin ich dadurch gewachsen aber ich lief und lief und lief...ans Ziel kam ich dadurch nicht. So hätte ich mich als Opfer sehen können um einen Schuldigen dafür zu benennen. Doch ich war vollkommen im Besitz all meiner Sinne, lediglich ein wenig verzweifelt. Ich habe Ängste durchlitten, viele Tränen geweint, an mir gezweifelt... Oft hing ich auch einfach nur an einem Seil über dem Abhang und nichts passierte in diesem Moment, weil ich nicht breit war etwas zu geben. So ist es durchaus erlaubt, eine Weile in diesem Loch zu verweilen oder eben einfach an dem Seil zu baumeln. Da ich mir aber Veränderung gewünscht habe, war ein handeln notwendig. So habe ich mir meinen Weg selbst ausgewählt. Ich zog Menschen in mein Leben, die mir Angebote machten, das eine nahm ich an, das andere schlug ich aus. Ich ging den Weg und am nächsten Tag schien nicht die Sonne. Es gab Rückschläge, die oft schmerzlich waren, mich auf den Boden gezwungen haben. Erst als ich anfing mich nicht als Opfer zu fühlen, zeigten sich Wege in den unterschiedlichsten Möglichkeiten.

 

Ich kann nicht erwarten, dass sich mein Leben ändert, wenn ich nicht bereits bin, dass loszulassen was mich festhält...und hier rede ich nicht von Schicksalsschlägen, sondern vom ganz normalen Leben mit all seinen Höhen und Tiefen.

 

"wenn Du Dir Veränderung wünschst, dann sei bereit auch etwas dafür zu geben. Oftmals ist es auch nur notwendig eine andere Sichtweise oder einen anderen Blickwinkel dafür zu wählen"