Das Gute im Menschen

Früher ging ich offen auf jeden zu, bot im Gespräch meine Hilfe, an und war bereit „Opfer“ zu bringen.

Selbst wenn man mal was hörte, was sich nicht so stimmig angefühlt hat, überhörte ich es und war mir sicher, dass ich mich getäuscht habe.

 

Ich dachte, ich muss mit Rat und Tat zur Seite stehen um anderen zu helfen. Heute weiß ich, ich tue das, was ich bereit bin zu geben. Ich dachte immer, ich müsste jedem und allem helfen, selbst wenn man mich nicht um Hilfe bat. Dann gab es Zeiten, da stand ich plötzlich alleine da und merkte, dass niemand weit und breit zu finden ist, der vielleicht auch mal eine Schulter für mich zum Anlehnen hat.

 

Mittlerweile möchte ich sagen…ich lerne noch. Aufgrund meiner Wahrnehmung spüre ich oft schnell, wer nur auf sein Wohl bedacht ist oder wer es wirklich ehrlich meint. Da gibt es die, die sich um Kopf und Kragen reden und einem fast in den Hintern kriechen, da werde ich leise, ziehe mich zurück und weiß plötzlich nicht, was ich davon halten soll. Ist es nur meine Angst, die sagt „Vorsicht“ oder ist es in der Tat ein Blender, der nur auf die Vorteile bedacht ist. Verpasse ich hier meine Chance auf einen guten Freund, nur weil ich zu schnell geurteilt habe?

 

Auf die Jahre bin ich so vielen Menschen begegnet, ich möchte sogar sagen, ich habe das Talent, mit wirklich allen und den unterschiedlichsten Charakteren klar zu kommen. Bin unwahrscheinlich vielfältig, ohne mich verstellen zu müssen. Empathie ist meine Stärke und ich kann mich gut einfühlen, dennoch habe ich auch gelernt, das ich das nicht immer muss.

Auch dies völlig wertfrei betrachtet, nur weil ich mit diesem Menschen nicht kann, ist er nicht schlechter oder besser als jemand anderes. Irgendwo da draußen finden sich auch die richtigen zusammen. Ich glaube auch an das Gute im Menschen, nur was für den anderen gut und richtig ist, muss doch eben nicht immer mit meiner Einstellung zusammenpassen.

 

Früher war ich der Geber, Schenker und der, der ständig alle eingeladen hat. Was es mir brachte, war nur Stress und das Gefühl ausgenommen zu werden. Seit geraumer Zeit weiß ich, ich habe die Erlaubnis zu selektieren und zuschauen, wer mir guttut und wer nicht.

 

So ist es auch mit meinen Klienten, ich habe oft im Vorfeld ein Gefühl im Bauch, bereits bei der ersten Kontaktaufnahme. Dann versuche ich das auszublenden, weil man ja meine Hilfe dringend benötigt. Im Nachhinein spüre ich, war mein Arbeit umsonst.

 

Bei einigen Klienten hat sich ein „freundschaftliches“ und offenes Verhältnis entwickelt, da gebe ich auch mal mehr von mir, weil ich dies von Herzen gerne mache und sie meine Arbeit zu schätzen wissen.

 

Sicherlich sind wir alle EINS…doch ich muss nicht allesgutheißen und akzeptieren, ich darf sehr wohl für mich entscheiden, wem ich meine Energie zuteil kommen lasse und wem nicht. Solange ich niemanden etwas Böses will, achtsam und respektvoll mich zurückziehe, darf doch alles so sein, wie es mir guttut..

 

„Das Gute im Menschen…

 

Grundsätzlich ist es nicht schlecht daran zu glauben, dennoch muss man nicht voreilig alles von sich geben.

Nehme dir die Zeit zu durchleuchten…ziehe dich zurück und wäge ab, was du jetzt bereit bist von dir zu geben, oder was nicht“

 

*Momo*