Wenn man nicht der Norm entspricht

Wie oft vergleichen wir? Wie oft höre ich den Satz, ich bin so anders, als meine Geschwister oder meine Familie es von mir erwarten.

 

Dann treten Selbstzweifel auf, Ängste und das Gefühl nicht richtig zu sein. Wie oft habe ich früher selbst verglichen und bin verglichen worden. Mein erster Hundebub war so anders, als der zweite Hundebub, obwohl er aus der gleichen Aufzucht stammte.

Als mein Hundemädchen 14 Wochen alt war, konnte sie andere Dinge, was andere Hunde nicht konnten. Was sie nicht konnte, sie konnte nicht an der Leine laufen. Sie setzte sich hin und verweigerte das Mitgehen. Ich bekam Tipps von Verhaltenstherapien, den Hund unter den Arm packen und wegtragen, stehen bleiben und warten (da würde ich heute noch sitzen) doch, was ich vergessen habe, sie zu fragen, warum sie das macht.

 

Ich habe mich beirren lassen, vom außen, aus Angst einen Hund zu haben, der nicht der Normentspricht. Das ich als Tierkommunikatorin und Hundemama versage, wo ich doch immer anderen so gut helfen kann. Seltsamerweise war das irgendwann gar kein Thema mehr, als die Ursache behoben wurde.

 

Nur, weil meine Geschwister 4 Fremdsprachen können, das Abi haben und den Ehrgeiz hatten sich in der Berufswelt durchzukämpfen, bereits Familie haben und Kinder aber ich nach dem normalen Realschulabschluss genug hatte, 4 Berufsabschlüsse und so ganz und gar das Gegenteil bin, bin ich doch nicht schlechter oder besser. Ich bin ich und das ist auch gut so. Hätte ich jetzt 4 Fremdsprachen gelernt, obwohl es mir so gar nicht getaugt hätte, hätte ich mich in eine Richtung schieben lassen, wo ich gar nicht hingewollt hätte.

 

Ja, ein wenig ähnelt man sich, wenn man die gleichen Gene in sich trägt. Aber jeder Seele hat seinen ihren eigenen Charakter. Jedes Tier und jeder Mensch, keiner ist gleich, auch wenn wir aus der gleichen Familie stammen.

Entspricht etwas nicht der Norm, dann ist es in unseren Augen nicht normal. Nur, weil ich es als normal empfinde, muss der andere noch lange nicht so ticken. Sicherlich ist man als Eltern besorgt, wenn die Kinder nicht so wirklich erfolgreich in der Berufswelt sind. Man fragt sich, was man falschgemacht hat. Statt einfach mal zu denken, dass jeder Individuell ist und mit einem wenig Einfühlungsvermögen, Rückhalt und Liebe, jeder seinen Weg macht.

 

Ich hatte gestern eine Unterhaltung mit einer Mutter, die beim Elternabend war. Sie sagte: „es stresste mich nicht, als die Lehrerin mir erzählte, dass mein Kind in der 1 Klasse, den Hacken hinter dem einen Buchstaben nicht richtig hochziehen kann, während die anderen Eltern der Meinung waren, dass so etwas durchaus zu verlangen wäre. Ich bin der Meinung, einfach mal machen lassen, das wird schon und alles ohne Stress“.

 

Das Kind begreift es einfach nicht, warum da der Haken hochgezogen werden muss und man versucht jetzt schon einen Rohdiamanten sich so zu schleifen, wie man ihn gerne in der Gesellschaft hätte. Dieses Kind wird irgendwann seine eigene Handschrift haben, seinen eigenen individuellen Weg gehen. Vielleicht wird es kreativ tätig werden, da wird nie einer mehr nach diesem ollen Häkchen fragen.

 

Nicht falsch verstehen, ich weiß, dass das Leben kein Ponyhof ist. Das spätere Leben viel Geld kostet, die Miete und der Unterhaltbezahlt werden darf. Man sich als Eltern sorgen macht, was wird aus meinem Kind, wenn ich mal nicht mehr bin. Wir dürfen in unserem Leben Prüfungen ablegen, werden zur Verantwortung gezogen und müssen Stellung beziehen.

 

Leistung wird auf allen Ebenen verlangt. Auch von unseren Tieren, wird etwas erwartet, damit sie Gesellschaftstauglich sind. Aber so schnell schieben wir ein Wesen in eine Richtung, urteilen, diskriminieren und projizieren die eigenen Ängste darauf, ohne zu wissen, welch wundervollen Kristall wir da in den Händen halten. Formen damit genau das Gegenteil, von dem, was wir uns für sie wünschen.

 

Wenn wir umdenken, liebevoll verstehen lernen, dann wird jeder zu seinem eigenen Licht finden und uns so viel mehr aus seinem inneren zeigen, was wir nie für möglich gehalten hätten.