Wenn die eigene Welt eine andere ist...

Als Kind war ich sehr einsam, sehr mit mir beschäftigt .Außenstehenden vermittelte ich wohl das Gefühl, zurückgezogen zu sein. Ich erinnere mich noch gut, ich spielte alleine und redete immer mit jemanden, obwohl keiner zu sehen war. Oft kam der Satz „ob da alles richtig ist bei ihr“.

 

Ich glaubte an Wesen, die in der realen Welt nicht mit den Augen zu sehen waren. Für meine Familie muss ich natürlich eine ganz schöne Herausforderung gewesen sein. Ich flüchtete mich in eine Welt, die anders aussah und oft viel bunter war.

 

Dann hat die Schulzeit begonnen und ich sehe heute noch die kleine Nadia, in der letzten Bank sitzen, die freudestrahlend erzählte, dass sie an Meerjungfrauen glaubt und dafür schallendes Gelächter erntete. Meinen Katzen gaben mir den Halt, ich sprach zu ihnen, wenn ich Probleme hatte, heulte ich ihr Fell voll, wenn ich mal wieder unglücklich war und hörte ihnen zu.

 

Aufgrund meines „Anderssein“ riet man meinen Eltern einen Kinderpsychologen dazu zu ziehen. Er bat mich, meine Familie zu malen und bekam ein Bild von mir, mit lauter Tieren. Ich malte meine Geschwister und meine Eltern in Gestalten der Tiere, so wie ihre Charaktere damals waren. Er rietmeiner Mutter zu einer Verhaltenstherapie, was sie aus beruflichem Stress (Gott sei Dank) nie wahrnehmen konnte.

In der Schulzeit war ich grundsätzlich die, mit wenigen Freunden, wenn…waren sie genauso verrückt wie ich.

Ob uns vereinte, dass wir gemeinsam von einer anderen Welt träumten oder eben Tiere unwahrscheinlich liebten.

Mit 14/15 war das Anderssein aber nicht gewollt, die Kameraden änderten sich aufgrund eines Umzugs 600km weiter in den Süden und zurückblieb ein einsames Mädchen, die ihr Anderssein hasste. Sich innerlich fragte, ob sie denn aus dieser Welt sei.

 

Ein innerer Kampf fand statt, ich lehnte nach außen das Anderssein ab, was blieb…war die Kommunikation mit meinen Tieren, mit denen ich hinter verschlossen Türen sprach oder ich ihr Fell voll heulte, wenn mal wieder was schiefgelaufen ist.

 

Meinen Weg bestritt ich mit erhobenen Hauptes und innerlichen Wunden, ich stellte mich dem Kampf in der realen Welt, kämpfte und kämpfte und kämpfte…. Mit der Zeit lernte ich damit umzugehen, machte erfolgreich meine Berufsabschlüsse und war stets bemüht ein normales Mädchen zu sein, was mir auch immer gut gelungen ist. Ich entwickelte mich zu einer Frau, die im Angestelltenverhältnis eine angesehene Leistung erbrachte. Zum Leidwesen meiner damaligen Vorgesetzten, war ich aber nie wirklich glücklich, weil ich immer spürte das mir etwas fehlte. So wechselte ich immer regelmäßig meine Arbeitgeber. Mit 24 lernte ich meinen Mann kennen, 2 Jahre später kam unser erster Hundebub dazu…plötzlich brachte er mich Menschen näher, die ebenso anders waren. Entwickelte Krankheiten, die uns umdenken ließen. Ich besuchte zig Kurse und der Verstand geriet ordentlich ins Wanken. Dinge, die nicht zu sehen sind, aber zu fühlen und dennoch bekannt.

 

Als ich vor 1 ½ Jahren die schamanische Ausbildung begonnen habe, sollten wir eine Reise zu unserer größten Schwäche machen, um darauf aufmerksam zu werden, was unsere größte Stärke ist. Raus kam, dass meine größte Schwäche ist „eigenartig zu sein“. Angekommen bin ich in meiner Kinderzeit ich hörte mich reden, mit den Worten „ich warte auf meine Zeit“. So merkte ich, dass meine Schwäche, eigentlich schon immer meine größte Stärke ist und ich schon immer verbunden war mit der „Anderswelt“.

 

Der Beginn meiner schamanischen Ausbildung, gab mir den Mut meinen Job an den Nagel zu hängen und das zu leben, was schon immer meine Stärke war. Natürlich nicht ohne den Rückhalt meines Mannes, die Liebe und die Stärke meiner Tiere, die Hilfe meiner lieben Freundin, den Zuspruch meiner Lehrerin,  und natürlich meinen Spirits.

 

Nach außen, bin ich eine ganz normale Frau, mit normaler Kleidung und einem normalen Leben. Durchaus in Kommunikation mit anderen Menschen sehr offen und redegewandt. Bin bodenständig, habe meine Macken und rede gerne auch mal dummes Zeug. Ich weiß, dass das Leben nicht nur aus Feenstaub besteht, versuche nicht alles, was schief läuft spirituell zu betrachten. Werde von meinen Freunden geschätzt, dass ich die Realität vor meinen Augen nicht verloren habe und authentisch bin.

 

Doch ich mache kein Geheimnis mehr daraus, dass ich mit Tieren rede und eben in eine andere Welt reise, um Konflikte zu lösen oder um verlorene Anteile zu suchen. Eben auch mal lichte Wesen um Hilfe und Rat bitte.

 

Wenn ich jeden Morgen an der Grundschule vorbei gehe und die Kinder durch die Fenster dort sitzen sehe, dann huscht mir ein Lächeln über das Gesicht…ich sehe dort die kleine Nadia, mit einem breiten Grinsen, die weiß, dass ihre Zeit kommen wird.