Hinter verschlossenen Türen

Wenn Klienten zu mir kommen und sich behandeln lassen, dann gibt es danach ja oft noch einen Austausch.

Es freut mich immer, wenn ich Feedback bekomme, wie sich der ein oder andere mit seinem Thema auseinandergesetzt hat und auch in seinem Alltag umsetzen konnte. Gerade, wenn es doch auch um intensivere Themen ging.

 

Interessant ist dann für mich, wenn ich höre „es tut gut zu hören, dass es ganz normal ist, so zu sein“

Ich bekomme dann erzählt, wie schwierig es ist, sich zu outen und dass man gegebenenfalls Hilfe von einem Schamanen in Anspruch genommen hat. Ja, einige sprechen sogar davon, draußen ein ganz „normales“ Leben zu führen und dies nur heimlich auszuüben.

 

Sie finden es dann immer beeindruckend, wie authentisch ich doch bin und fragen natürlich, wie ich meine Spiritualität im Außen lebe, weil ich auf den ersten Blick ja doch einen ganz normalen Anschein erwecke.

 

Auf der einen Seite macht es mich traurig, auf der anderen Seite erinnert es an mich und an meine ersten Anfänge. Sicherlich wäre ich nicht so früh dazu gekommen, wenn ich durch meine Resonanz, solche Menschen angezogen hätte, doch lebe ich nicht ein einer spirituellen Gemeinschaft oder laufe den ganzen Tag mit meiner Rassel und Trommel rum, sondern bewältige meinen Alltag so gut es geht, wie ein ganz normaler Mensch. Es kann lediglich mal sein, dass man mich Trommeln hört oder nach einer Räucherung, vor Fenster und Türen verschiedene Düfte wahr nimmt.

Alle Ausbildungen habe ich ja neben meinem Angestelltenverhältnis besucht, am meisten hat meine Kollegen der Hypnosetherapeut imponiert, die anderen Seminare, so fern sie während der Woche stattfanden und ich Urlaub benötigt habe, habe ich immer umformuliert.

 

Weil ich in der Tat Sorge hatte, sie erklären mich für Gaga. Dabei war das nur mein Denken, wahrscheinlich hätten sie sogar mit großem Interesse zugehört.

 

Dann kam eines Tages mein Mann an und erzählte, er hätte sich mit seinen Kollegen unterhalten. Irgendwie seien sie auf meine Tätigkeiten gekommen und er hätte ihnen davon erzählt. Meine Reaktion war erstmal so in der Art „wie kannst Du nur, was denken die jetzt von mir“. Worauf er mir dann mit einem ganz ernsten Gesichtsausdruck erklärte „mir ist das wurscht, es ist Dein Job und ich stehe dahinter“.

 

Dann wurde mir bewusst, dass ich genauso wenig dazu stehe, aus Angst für verrückt erklärt zu werden. Mit dem Start meines Nebengewerbes vor einigen Jahren, habe ich sogar bei meinem letzten Anstellungsverhältnis erzählt, warum ich Teilzeit arbeiten möchte. Sicherlich kam ein Lächeln über die Lippen meines Gegenübers, aber die Reaktion war eher „erzählen sie doch mal mehr davon“

 

Meine Mutter weiß mittlerweile, welchen „Job“ ich mit meiner Selbstständigkeit ausübe und lässt sich durchaus auch von mir behandeln, sie sagt, sie wäre auch stolz auf mich, weil dies zu mir passen würde. Wird sie gefragt, antwortet sie aber immer „meine Tochter ist Heilpraktikerin“. Wo sie dann zu mir sagt: „ich weiß eben nicht, wie man das nennt, was Du machst“. Und ich hab mich immer gewundert, warum alle nach einem Homöopathischen Mittel gefragt haben...

 

Klar, lerne ich neue Leute kennen, sitzt man am Abend bei einem Glas Wein zusammen, kann ich die blöden Sprüche nicht wirklich ab. Ich bin ein durchaus geselliger und gesprächiger Mensch, der auch mal über sich selbst lachen kann, aber ungern, wenn ich mit meinem Job das Dauerthema bin und es ins Tiefste veralbert wird. Das tue ich ja schließlich auch nicht!

 

Mittlerweile habe ich Schilder auf meinem Auto, stehe privat und öffentlich dazu und verheimliche nichts mehr, weil ich glaube, stehe ich nicht zu dem was ich tue, dann würde ich es nicht mit Herz machen und somit auch nicht das erreichen, was ich bisher bei Menschen und Tieren geschafft habe.

 

Aber, was ich mich dann frage, warum ist es so ein Tabu in der Gesellschaft. Alles was nicht normal ist, darf nicht erzählt werden, aus Angst man wird ausgelacht. Warum ist das so schlimm, wenn einer vielleicht nachts um 0:00 Uhr, bei Vollmond einen Zettel vergräbt um ggf. seine Wünsche zu manifestieren oder eine Tierkommunikatorin beauftragt um mit seinem Tier reden zu lassen, weil es den Anschein erweckt, dass es uns mit seiner Verhaltensänderung etwas sagen möchte.

 

Solange ich damit niemanden belästige, bekehre, missioniere und weiterhin ein achtsamer und respektvoller Mensch bleibe, ist das doch nichts, für was ich mich schämen muss.

 

Wir urteilen über die Kriege auf der Welt, über andere Religionen und führen doch im Kleinen genau das gleiche direkt vor unserer Haustür durch. Haben unsere Eltern uns das nicht gelehrt „was sollen die Nachbarn von uns denken“?

 

Ich bin als Tochter einer deutschen Mutter und eines syrischen Vaters in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe bis zu meiner Heirat einen ausländischen Namen getragen. Ich weiß was es heißt, abwertend von der Seite angeschaut zu werden… da ist es mir ehrlich gesagt „Mittlerweile“ egal, was andere von mir denken. 

 

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