... der Abschied

Wenn wir ein Tier in unser Leben lassen, dann ist die Freude im Vordergrund, wir denken nicht daran was kommen wird, was wir mal erleben und welchen Herausforderungen wir uns stellen dürfen.

 

Jeder, der schon mal ein Tier hat gehen lassen, den Schmerzgefühlt und erlebt hat, spürt ein wenig von dieser Angst, die man aber sofort wieder verdrängt und schnell beiseiteschiebt. Als ich damals mein ersten Hundebub habe gehen lassen, dachte ich mir „ich könne nie mehr ein Tier so nah an mich ranlassen, ich würde nie wieder so eine tiefe Liebe und Verbundenheit spüren“. Doch, dem ist nicht so.

 

Die erste Zeit fühlt man sich leer, wie im falschen Film. Man spürt, dass der eigene Körper funktioniert…so halbwegs. Dann kommen die Gedanken und Zweifel, ob man noch hätte was tun können und man zermartert sich das Hirn, lässt das Leben Revue passieren und grübelt ob man hier und da eine andere Richtung hätte einschlagen sollen. Die Bilder der letzten gemeinsamen Stunden, gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. Das Herz schreit und krampft sich zusammen. Manchmal wird man auch ungerecht und fragt, warum schon so früh, warum ein durchhalten nicht möglich war, wenn man doch bereit war, jeden Weg mitzugehen.

 

Die Antwort, die ich darauf bekam war „nicht gestern, nicht morgen, sondern heute ist der Tag wo ich gehen will“

 

Man sitzt vor seinem Handy und saugt alle Bilder und Videos in sich ein, um das Gefühl zu bekommen, sich für einen Moment dorthin hinzustehlen…zudem Moment, wo noch alles gut und glücklich erschien. Dinge, die einem an sein Tier erinnern, werden gesucht und der Geruch in sich eingesaugt. Man stellt Fragen und hofft auf Antworten, die den Kopf endlich zur Ruhe kommen lassen, immer wieder und wieder. Tage danach, weiß man, dass die Welt sich weiterdreht, wenn auch für einem selbst sehr langsam. Es vergehen Tage, Wochen, Monate und Jahre und man vergisst nie, immer mal kommt ein Tränchen, wenn man an die gemeinsamen Tage zurückdenkt. Ebenso huscht ein Lächeln über das Gesicht, wenn einem aus dem gemeinsamen Erlebten eine lustige Geschichte in den Sinn kommt…aber, das braucht Zeit. Zeit, wo viele Tränen laufen, wo man sich zurückzieht und seine klaffende Wunde im Herzen heilt.

Ich weiß, dass Lieben auch bedeutet, gemeinsam durch das finstere Tal zu wandern, der Sonne entgegen. Sich allen Herausforderungen zu stellen, die das Leben mit sich bringt. Jedes Leben hat seinen Plan, alles unterschreiben wir bereits, wenn wir noch nicht in unserem Körper sind.

 

Da ich schon immer sehr fühlig war, wusste ich bei meinem ersten Hundebuben, dass wir nicht lange die gemeinsame Zeit auf Erden haben werden, hab dies aber verdrängt, weil ich meiner Angst nicht die Oberhand lassen wollte. Er sollte lernen, seine Menschen auf „den Weg“ zu bringen, zu sich ins Innere damit wir ein anderes Bewusstsein entwickeln. Ebenso sollte seine Seele nochmal erfahren, was es heißt bedingungslos geliebt zu werden, getragen zu werden von seinen Menschen, wenn er es allein nicht schafft. So wanderten wir gemeinsam durch das Leben, mit allen Höhen und Tiefen, bis der Tag kam, wo er in anderen Welten seinen Weg einschlug. Er selbst haderte die letzten Tage sehr, kämpfte stärker als mancher Löwe, weil er wusste, wie tief ich fallen würde.

Ich weiß, als ich ihn damals fragen ließ, nach dem warum, sagte er mir:

 

„wir hatten einen gemeinsamen Plan, jetzt geh ich mein Weg weiter und Du den deinigen, getrennt sind wir nie und ich bin Dir näher als Du glaubst. Tue mir den gefallen und Tanze durch das Leben, feiere es wie Du es einst getan hast, als ich noch an Deiner Seite auf Erden war. Unser Band der Liebe, bleibt bestehen und wird stärker denn je werden“.

 

Es gibt kein Limit, wie lange man trauern darf. Selbst, wenn das Außen meint, dass doch langsam mal gut wäre. Jeder hat das Recht so lange zu trauern, bis man das Gefühl hat, dass die Trauer durchlebt wurde. Es gibt kein Rezept, wie das Herz schneller heilt. Doch, dass zurückkommen ins Leben ist wichtig, weiterzuleben gestärkt mit all den Erfahrungen, die man machen durfte und aufgefüllt mit deren Liebe.

 

Ich habe ihm damals versprochen, dass ich meinen Weg gehe und wenn es Zeit ist, auch nicht daran zweifele ob ich je ein Tier wieder so lieben kann. Ich versprach ihm, zuzulassen, mit allem was die neue Seele mit sich bringen wird. Meine zwei Hundekinder, die nun bei mir sind, liebe ich mehr denn je…jeder für sich, mit seiner Art. Welchen Plan sie mit sich tragen, erahne ich ein wenig, hinterfrage diesen aber nicht…zumindest versuche ich es. Ich versuche, sie jeden Tag zu lieben und jeden Moment in mich aufzusaugen. Warum an das Ende denken, wenn das Leben jetzt schön ist.

 

Warum schreibe ich gerade jetzt in der düsteren und kalten Zeit über den Abschied?

 

Nun, irgendwie denke ich, haben die Tiere, die ich begleite sich das ausgesucht. Die Zeit, jetzt zu gehen. Wo die Wände dünner sind, der Übergang leichter von statten geht. Es ihnen leichter fällt, ihre Hülle hierauf Erden abzustreifen. Die letzten Tage und Wochen, habe ich „leider“ vielen Menschen Trost spenden dürfen und ihren tierischen Liebling zum Übergang begleitet.

 

Jedes Tier, was ich begleite, berührt mich auf seine eigene Weise sehr, doch gestern erst hat mich eine so unwahrscheinlich starke Seele sehr mitgenommen und ihr Wunsch zu gehen zutiefst getroffen. Da kam ich an einen Punkt wo ich mich gefragt habe, ob ich dafür stark genug bin. Ich glaube, das sind die Zeiten, wo ich lieber um 16Uhr mein Büro verlassen würde und den Stapel Arbeit, erst am Montag wieder aufnehmen möchte. Doch, nach vielen Fragen, an meine Spirits, die mich stetig begleiten, weiß ich, dass ich all das mit meinen Tieren durchlebt habe, um anderen Menschen und ihren Tieren, in dieser Zeit zur Seite zu stehen…

 

Ich weiß, dass diese Sterne stärker denn je leuchten und sie versuchen werden, ihren Menschen in den Momenten der Trauer und Dunkelheit ein wenig mehr Licht einzuhauchen...

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