Erklär mir Deine Welt...

Wenn ich Anfragen bekomme, mit der bitte, ich möge doch mal mit dem dreizehn Wochen alten Welpen kommunizieren, weil es einige Probleme im Zusammenleben gibt, dann hinterfrage ich natürlich.

 

Sicherlich kann auch ein dreizehn Wochen alter Welpe den Bedarf an meiner Hilfe haben, wenn aber die Fragen dann sind „warum machst Du immer noch ins Haus“, „weshalb jammerst Du, wenn wir arbeiten sind“ usw.….dann muss ich mich wirklich zusammenreißen um sachlich, Respekt- und liebevoll bei meiner Antwort zu bleiben.

 

Ich kam mit 26-Jahren zu meinem ersten Hund, ich hatte keinen blassen Schimmer über Hundeerziehung und was ein Hund darf und nicht darf, Katzen erziehen sich eben ganz anders. Das Einzige was ich wusste, ich übernehme Verantwortung für ein Tier…sein ganzes Leben lang. Wir besorgten uns Bücher und informierten uns an allen möglichen Quellen. Letztlich entschieden für uns für die Rasse, weil wir wussten, dass diese sehr speziell und „liebevoll bekloppt“ ist. Wir bekamen ein dominantes Früchtchen, was unser Leben auf den Kopf stellte. Organisierten im Vorfeld, wer wann zuhause ist und uns war bewusst, dass sich unser Leben verändert mit einem Tier.

 

Ein Welpe kann erst mit sechszehn Wochen seinen Organismus kontrollieren, um Pippi einzuhalten, sicherlich zeigen es manche früher an und manche eben erst später, vielleicht auch aus Bequemlichkeit. Wie Kinder eben, der Eine meldet bereits mit zwei, der Andere erfreut sich noch daran mit drei in die Hose zu machen. Dann das allein sein, ein Welpe kommt aus seinem Hunderudel, wo er seine Mama und seine Geschwister um ihn rum hat, ggf. bei einem Züchter, der sich ebenfalls rundum die Uhr um die Kleinen kümmert, sie haben ihren Tagesablauf, ihr Zusammenleben und plötzlich mit zehn Wochen kommen sie in eine ganz neue Familie, neue Umgebung, andere Menschen und sehen zum ersten Mal mit ihren Augen, wie die Welt draußen ist. Sie sind noch so klein, dass alles neu ist. Verstehen nicht, warum unbedingt eine Leine und ein Halsband nötig ist oder man eben nicht immer zu allen hinrennen und hochspringen darf. Nicht jeder Hund, der entgegenkommt, zum Spielen geeignet ist. Bis sie lernen, dass es nicht nur einmal regnet und das nass, was von oben kommt, nicht schmerzhaft ist. Betrachten erstmal alles vom sicheren Schoss ihres Menschen, bis sie sich mutig trauen. Testen das Schwimmen in einem großen Gewässer aus und sind stolz wie Bolle, dass sie paddeln konnten mit ihren Beinchen und freuen sich, dass schwimmen sogar Spaß machen kann. Laufen mit dem Wind um die Wette, fangen die Blätter im Herbst ein, die an ihnen vorbeifliegen. Bemerken, dass es kälter wird und erkunden das weiße kalte Zeugs, was vom Himmel fällt und spüren, dass man sich darin klasse wuseln kann. Die Mülltonne, die im Sommer zur Abholung rausgestellt wird, schaut aber im Winter um die gleiche Uhrzeit ganz anders und viel gefährlicher aus. Wenn seine Menschen aus dem Haus gehen, dass dies kein Weltuntergang ist, weil sie immer wieder kommen. Man beim Essen keine Purzelbäume schlagen muss, weil es genügend Futter bei seinen Menschen gibt, was sie nicht mit ihren Geschwistern teilen oder vor ihnen verteidigen müssen.

 

Ja, ich erinnere mich. Nicht nur, weil meine Welpenzeit mit meinem Hundemädchen erst zwei Jahre zurückliegt, sondern auch daran, wie es mit den Buben war. Ich erinnere mich auch, dass es mir vor zwölf Jahren stressfreier vorkam, aber auch nur, weil ich viel vergessen habe.

 

Mein Hundemädchen zeigte mir so viel mehr, was sie kann, dass ich in der Tat oft vergessen habe, dass sie eigentlich noch ein Baby ist. In der Hundeschule waren wir das Vorzeigeteam, bis zu dem Punkt, wo sie mit fünfzehn Wochen frei an der Leine ohne Leckerchen mit mir gehen sollte. Was sie natürlich nicht tat. Ich bekam eingeredet, dass sie eine „Leinenstörung“ hat. Mein Hundemädchen lief ohne Leine bei mir, machte ich die Leine dran, blieb sie stehen und jammerte fürchterlich. Sie vertraute mir bedingungslos, die Bindung war so eng, dass ich den Welpen draußen immer in meiner Nähe hatte. Ihre angedichtete Verhaltensstörung, war ein gesundheitliches Problem, wo die Hundeschule mir gerne eine Verhaltenstherapie aufgedreht hätte für schlappe 320,00 EUR. Sie läuft übrigens vorbildlich an der Leine, direkt nachdem das gesundheitliche Thema behoben war...machte sie jeden Tag mehr und mehr Fortschritte.

Gegenüber auf der anderen Straßenseite, steht eine Schildkröte aus Stein. Wenn ich heute dran vorbei gehe, huscht mir ein Lächeln über das Gesicht, wie oft habe ich Käsestücke auf die Schildkröte gelegt, um ihr zu zeigen, dass sie nicht böse ist, sondern noch was Leckeres für sie bereithält, weil sie immer Angst hatte an ihr vorbei zu gehen. Manchmal kann ein Welpe anstrengend sein, ja….ziemlich anstrengend, aber auch wunderschön so ein Wesen an seiner Seite zu haben, was mit einem die Welt erkundet und man mega stolz sein darf, dass ich es bin, der ihr alles erklären und zusehen darf, wie sie voller Leichtigkeit in die Windböen beißt oder mein Hundebub, seine Runden um den Busch im Garten gerannt ist und dadurch schon eine Spurrille um den Busch hinterlassen hat oder dem Maulwurf „Hallo“ sagen wollte und ausgeschaut hat, als hätte er selbst Tagelang in dem Bau gelebt.

 

Ich habe keine Kinder, ich selbst habe aber meine Nichte aufwachsen sehn. Ich kann mit Kindern ganz gut umgehen, auch sie kommunizieren und wollen erklärt bekommen. Das Eine interessiert sich für was ganz anderes, wie das das Andere. Egal ob Mensch oder Tier, immer kommt irgendwer von außen und sagt Dir, das was nicht stimmt und Du dies oder jenes anders machen sollst.

 

So oft bekomme ich solche Anfragen, zum einen, weil viele Unwissend sind, was ein Welpe oder ein Tier an Zeit kostet und sich dem nicht bewusst waren, auch oft wieder bereit sind, das Tier abzugeben. Weil man sich einfach für die falsche Rasse, den falschen Charakter oder überhaupt viel zu früh für einen Hund entschieden hat und dafür gar nicht die nötige Zeit besitzt. Zum anderen, weil es ständig jemand da draußen gibt, der es besser weiß in der Art von „meine Freundin hat einen Pudel und der konnte bereits mit zwölf Wochen allein zuhause bleiben, ohne in die Wohnung zu machen“ oder „die Hundeschule hat gesagt“

 

Selbst ich mache immer wieder Fehler und lass mich kurz vom Außen beirren. Bei der dritten habe ich zwar Tipps von Bekannten dankend abgelehnt, aber dennoch hat mich die Hundeschule kurz an mir oder eher gesagt uns als Team zweifeln lassen aber nur kurz…seitdem sah sie nämlich keine Hundeschule mehr, lediglich ein Trainer kam ins Haus, der schlichtweg begeistert war, was wir für ein tolles Team sind. Er korrigierte MICH, was ich hier und da noch anders oder besser machen könnte, damit sie meine Signale besser versteht.

 

Ein Hund kann nicht von jetzt auf nu allein bleiben, alles darf gelernt werden. Der erste Hundebub bekam sein Leckerchen und beschäftigte sich mit sich selbst oder eher gesagt, mit unseren Leergutflaschen, wo er sich selbst das apportieren beibrachte, da saßen wir oft einige Zeit im Treppenhaus mein Mann und ich, um zu hören, ob er ruhig ist. Der zweite Hundebub hat heute zeitweise noch Verlustängste, weil wir ihn zu früh allein ließen. Wo ich heute ein paar Rituale habe, damit es ihm leichter fällt, wenn er kurzzeitig mal allein bleiben muss. Das Hundemädchen, da musste ich die Tür auflassen und durfte ewig weit gehen, bei verschlossener Tür weinte sie. Bis sie es geschafft hat, eine Minute still zu sein und genau in dem Moment kam ich zurück. So habe ich die Zeit Schritt für Schritt verlängern können oder eben auch mal wieder Rückschritte gemacht. Weil nicht jeder Tag gleich ist. Auch, wenn ich ihr beigebracht habe, dass es das Normalste von der Welt ist, wenn ich das Haus verlasse, so sitzt oder liegt sie still und leise innen vor der Haustür und wartet auf mich, bis ich wiederkomme. Selbst Ruhe durfte ich ihr beibringen, einfach mal auf eine Bank setzen und nichts tun nur beobachten. Ich bin doch Alles für meinen Hund, wie soll er von sich aus wissen, dass er mich nicht auf Schritt und Tritt verfolgen muss, sondern ich gut auf mich selbst aufpassen kann.

 

Egal wie viele Hunde ich noch großziehen werde, jeder zeigt mir was anderes was er besonders gut kann oder eben Defizite hat. Sicherlich sind die Rassen untereinander sehr ähnlich, aber dann gibt es eben noch Unterschiede in der Aufzucht, wie die charakterlichen Eigenschaften der Eltern sind, dann noch unterschiedliche Geschlechter, mein Erfahrungsschatz wie konsequent ich bin oder nicht und eben der eigene Charakter. So ist es nicht nur mit Kindern, auch mit Hasen, Vögel, Katzen und Pferden...usw.. Ich kann noch so viel Erfahrung haben, jede Seele bringt ihr Eigenes mit und stellt mich vor neuen Aufgaben und Herausforderungen.

 

Ein Hund der zum Beispiel nie gelernt hat, warum man an der Leine nicht zu ziehen hat, wird auch nach einem Dialog mit einer Tierkommunikation nicht ruhig an der Leine gehen.

 

Ein Tier hat seine eigenen Instinkte, wo eben ein Warten im Auto oder ein Leinen gehen von der Natur nicht vorgegeben ist. Sie lernen mit und bei uns, als Mensch ist es unserer Aufgabe, sich auf das Miteinander einzulassen. Ihnen mit Respekt und liebevoller Konsequenz unsere Welt zu erklären und sie dabei nicht zu vergessen. Ein Hund braucht bis zu drei Jahren, bis das, was ich man ihm beigebracht hat wirklich sitzt. Nicht weil sie dumm sind, sondern weil das Gehirn bis dahin braucht, um vollständig ausgewachsen zu sein. Dabei ändert sich das in dieser Zeit ständig, weil sie natürlich in die Pubertät kommen, hinterfragen, die Hormone eine Rolle spielen. Oft hat man das Gefühl, dass die Kupferdrähte im Gehirn gerade Funken sprühen. Meine Jungs waren und sind zum Beispiel sturer als jede Felswand, während mein Mädchen eben ein typisches Mädchen ist und gerne mal schnell aus der Haut fährt, dafür aber leichter runterzuholen, als die Buben es waren/sind.

 

Ja, Erziehung kann anstrengend sein, aber was ich geschenkt bekomme ist weitaus mehr. Ein Wesen, was bedingungslos liebt und sein Leben in unsere Hände legt.

 

Lasst Euch vom Außen nicht beirren, lieber mal einen Hundetrainer nachhause holen, wo das Bauchgefühl stimmig ist, der individuell auf meinen Hund und mich eingehen kann und die eigenen Fehler korrigiert. Sich bewusst werden, dass man keine Maschine hat, der man den Akku einfach mal rausnehmen kann, sondern ein Lebewesen. Daran denken, wie würde ich ein Kind erziehen, nehme ich es an die Hand und erkläre ihm die Welt oder lass ich es einfach laufen. Es gibt sicherlich auch gute Hundeschulen, weshalb man sich da wirklich auf sein Bauchgefühl verlassen darf ob diese für sich und sein Hund die Richtige ist. Letztlich zählt dann noch die liebevolle und geduldige Konsequenz die zum Erfolg führt, wenn man die richtige „Technik“ für sich und sein Hundekind gefunden hat.

 

Es macht mich traurig, wenn ich mir überlege, wie sehr mir meine Tiere vertrauen und wie Andere oft mit ihren Tieren umgehen. Ich mache auch Fehler und lerne mit jedem Hund dazu aber selbst, wenn ich mir denke, bei dem vierten mache ich es anders, wird der mit ganz anderen Dingen ums Eck kommen die mich vor neue Herausforderungen stellen, doch dem bin ich bewusst, weil ich ein Lebewesen begleiten darf, was mich lernen lässt. Ich korrigiere auch meine Hunde, manchmal bin ich auch streng, aber stets in liebevoller und konsequenter Art, ohne handgreiflich oder aggressiv zu werden. Auch Grenzen gibt es, obwohl sie sich hier im Haus frei bewegen dürfen und sogar bei uns im Bett schlafen.

 

Der Wunsch nach einem Tier ist oft groß aber der Verantwortung sollte man bewusst sein, es ist nicht fair, es einfach wieder abzugeben, weil man überfordert ist. Sich vorab zu informieren es gut zu überdenken, für und wider abzuwägen und vor allem, ob man auch bereit ist zu verzichten…gerade, wenn sie dann auch älter werden, da wird die Zeit, die sie uns brauchen wieder mehr.

 

„Ich lege mein Leben bedingungslos in Deine Hände, weil ich weiß, dass Du gut darauf aufpassen wirst“