Für die kleinkarierten Denker...

Wir regen uns zu viel auf, über Dinge, die uns gar nichts angehen. Rümpfen die Nase, wenn etwas nicht unserer Lebensweise entspricht.

 

Der Nachbar, der plötzlich mit dem Porsche vor fährt, obwohl er doch nur ein popliger Angestellter mit einer 40´zig Std. Woche ist. Die Frau, die plötzlich nicht mehr arbeitet, …“ob sie wohl arbeitslos ist und weshalb sie wohl raus geschmissen wurde, hat bestimmt geklaut." Warum jemand mehrere Hunde hat, wo man doch selbst, das so gar nicht verstehen kann und eigentlich keine Tiere mag, geschweige denn von dem ganzen Dreck im Haus. Selbst, wenn derjenige alles dafür tut, dass die eigenen Hunde bei den Mitmenschen nicht auffallen...egal, sie stören einfach, weil man es eben nicht mag. Der Löwenzahn in Nachbars Garten, oder weil das Laub noch nicht geharkt ist. Noch schlimmer, wenn dann genau diese Menschen, so gar nichts von sich preisgeben. Zwar freundlich, respektvoll, achtsam, hilfsbereit, ruhig und höflich in ihrer Lebensweise sind, aber auch so gar nichts von sich preisgeben wollen und bei sich bleiben…dann ist es für dieses kleinkarierten Denker richtig schwer, weil dann muss man so richtig tief den Kopf in die Suppe hängen, um das Haar dort zu finden. Irgendeinen Schwachpunkt müssen sie doch haben, fragt man sich...😏

 

Wenn ich bei Facebook lese, dass man sich fragt, warum der Nachbar eine Woche vor Totensonntag bereits die Weihnachtsbeleuchtung an hat und wohl seine eigenen Toten deshalb nicht ehrt oder gar nach ihnen trauert und warum man sich über das Unkraut in den Steinen beim Nachbarn aufregt. Da frage ich mich, ob das Leben dieser Menschen von Langeweile geprägt ist. Gibt es keine wichtigeren Themen, als sich über solche Nicklichkeiten aufzuregen. Sind diese Menschen so gefrustet, dass sie anderen ständig auf den Keks gehen müssen oder so unglücklich in ihrem eigenen Leben, dass sie anderen die Freude an etwas einfach nicht gönnen können? Ist es Neid, Missgunst, oder einfach nur fehlendes Denkvermögen?

 

Solange ich doch nicht über Müllberge meines Nachbarn falle, aufgrund des Mülls sich Ungeziefer ansammelt, solange man im außen alles soweit betrachten kann, warum rege ich mich da ggf. drei Straßen weiter über einen Baum auf, der bereits hätte geschnitten werden müssen und es im November noch nicht getan wurde. Warum rege ich mich über jemand oder etwas auf, der ggf. noch nicht mal in direkter Nachbarschaft wohnt. Mich eigentlich nicht stört, nicht auffällt, nicht die Grenzen anderer einreißt…warum versuche ich das Leben anderer Menschen einzuschränken und mit solchen Dingen zu belasten?

 

Wieso tut man das, sich in Dinge einzumischen, die mich selbst in meiner eigenen Lebensqualität nicht beeinträchtigen? Also ich meine, ein nicht geharktes Laub oder ein ungeschnittener Baum, drei Straßen weiter, beeinträchtigt mich ja nu wirklich nicht. Mir persönlich ist es egal, wer was für ein Auto fährt und wie lange er bereits Zuhause ist und wer mit wem und so. Solange eben meine Lebensqualität nicht beeinträchtigt wird, wie ein ständiges Partyfeiern, ein Grölen auf der Straße, oder ständiger Lärm, wo ich in meiner Ruhe beeinträchtigt werde.

 

Ob die Weihnachtsbeleuchtung eine Woche früher oder später hängt, ob derjenige seinen Weihnachtsbaum noch im Februar im Wohnzimmer stehen hat, was geht mich das an?

 

Warum der eine zu Halloween die Türen aufmacht und der andere seine verschlossen hält, weil er mit dem allem nichts anfangen kann…wahrscheinlich mutmaßt man dann, dass der, der die Türen verschlossen hält, bestimmt ein Problem mit Kindern hat…*Ironie aus.

Als wir hier herzogen, sah ich im Oktober auf meiner Gassi Runde eine Wohnung im oberen Bereich, auf der Terrasse zur Straße, war alles komplett mit Weihnachtsbeleuchtung eingedeckt. Ich dachte mir noch, ganz schön viel und auch schon recht früh dran, wertete es aber nicht. Bis ich eines Tages einen alten Mann dort sitzen sah, er hatte das Sommer wie Winter und machte sich das am Abend an. Hätte ich mich darüber aufregen sollen, weil es nicht in die Jahreszeit passt. Vielleicht hat es ihn so erfreut und an alte Tage mit seinen Kindern und seiner Frau erinnert, vielleicht war es etwas, was sein Herz erfreut und mit Liebe erfüllt hat. Ich erinnere mich, dass meine Mutter den Weihnachtsbaum auch einmal bis zu meinem Geburtstag im Februar stehen gelassen hat, weil ich es immer so schön fand, wenn ich am Abend die Lichter anmachen durfte und mich daran erfreut habe.

 

Geht man auf der Straße spazieren und es kommt einem einer mit lila Haaren oder voll tätowiertem Körper entgegen, ist man pikiert und das, obwohl das Gegenüber freundlich ist, eigentlich ja nichts getan hat und meine eigene Grenze nicht berührt hat. Doch, war es nicht schon immer leichter, sich um den Dreck vor anderen Haustüren zu kümmern, statt mal bewusst sich mit seinen eigenen Unzufriedenheiten auseinanderzusetzen?

 

Ich bin so erzogen worden, stets achtsam und höflich zu sein, Respekt zu haben, das waren meinen Eltern wichtig. Sicherlich entstammen sie einer Generation, wo es noch wichtig war, das Gesicht nach außen zu wahren. Auch haben sie nicht alles richtig gemacht und sich oft über Dinge aufgeregt, was eigentlich nicht ihres war. Aber, irgendwie haben sie uns auch so sein lassen, wie wir waren…wenn auch dies für sie nicht immer einfach war. Ich passte als Kind schon nicht in das Döschen anderer, wo man ein Deckelchen drauf gemacht hat. Manchmal habe ich gemogelt, ganz früher, ja…so manches Mal bin ich mit dem Strom mit geschwommen, um meine Ruhe zu haben. Habe mit meinen Bauklötzchen auf andere geworfen und bin Petzen gegangen, weil es einfacher war auch mal nicht bei sich selbst zu schauen und von sich abzulenken. Doch jetzt mag ich dort nicht mehr reinpassen, mag mich schon lange nicht mehr in den Feldern anderer einklinken. Weil es mich müde macht, von mir wegbringt…mich nicht bewusst bei mir ankommen lässt. Außerdem mache ich so ungern anderen das Leben schwer, sondern möchte ja eher zu mehr Leichtigkeit verhelfen mit dem was ich tue.

 

So frage ich mich, ob genau diese Menschen morgens aufstehen und sich Gedanken machen, mit was sie sich denn heute beschäftigen. Nehmen wir heute den Nachbar nebenan, oder den drei Straßen weiter, und könnten mal wieder beim Vermieter anrufen, um mich über die Katze zu beschweren, die gerade durch meinen Garten gelaufen ist, oder lästern wir über die Kassiererin mit ihren künstlichen langen Fingernägeln, sie lächelte zwar freundlich, aber irgendwas an ihr war doch suspekt. Man könnte sich auch mit den Prospekten vom Discounter beschäftigen und mal schauen, ob es wieder das leckere Schweinsschnitzel für 1,99 das Kilo im Angebot gibt. Vielleicht auch mal ein Brief an die Gemeinde schreiben, dass die Vögel um die Mittagszeit zu laut gezwitschert haben.

 

Ach her je…was muss in den Köpfen solcher Menschen vor sich gehen, was bringt es ihnen, wenn sie sich über andere beschweren können, obwohl es sie eigentlich überhaupt nicht zu interessieren hat.

 

Und sich dann wundern, warum manche so unfreundlich zueinander werden, wenn nicht mal mehr das persönliche Gespräch gesucht wird, um vielleicht mehr von seinem Gegenüber zu erfahren…

 

Die Scheuklappe abnehmen und bereit sein für andere Ansichten, in seinem Feld bleiben…da wäre Allen mit geholfen. Sich mal selbst bewusst machen, dass nicht alle gleich Leben und nicht alle der gleichen Ansicht sein müssen oder gleiche Prinzipien haben. Hier geht es nicht um Dinge, wo das Leben anderer gefährdet oder wer misshandelt wird, wo man wegschauen soll, sondern um Nicklichkeiten, die nicht zum Überleben dienen oder wen einschränken....

 

Sowas macht mich einfach wütend, weil man anderen dadurch das Leben erschwert...

 

*Bild von Pixabay

*Text Privat