Allein zu sein, bedeutet nicht einsam zu sein

Diese Definition durfte ich vor langer Zeit nach einigen Tiefschlägen für mich selbst auch erkennen.

 

Seit ich denken kann, war ich auf der Suche nach echter und wahrer Freundschaft. Das, was andere hatten, diese tiefe Verbundenheit, da schaute ich in der Kindheit doch öfters mit neidischem Blick auf andere. Ich kann mich erinnern, in der Grundschule hatte ich sie, 2 Mädels, wo wir dummes Zeug redeten, Blödsinn machten und träumten. Als wir auf die weiterführenden Schulen gingen, trennten sich unsere Wege…fürs Gymnasium war ich nicht schlau…oder eher gesagt, ehrgeizig genug.

 

Ja, immer mal kamen Menschen in mein Leben, meist diese, zu denen ich hinaufblickte. Sie waren immer mehr Wert und ich sah mich nicht gleichwertig an. Ich wollte immer die Coolen haben, die Unnahbaren, weil die, die regieren die Welt…dachte ich. Ich schaute zu denen hoch, die dem Anschein nach wussten, was abgeht. Fand mich im laufe der Zeit in Cliquen wieder, die rauchten, blödes Zeug redeten und einfach cool waren, als ich nicht mitmachte…weder beim Rauchen noch beim Saufen oder gar Drogen konsumieren, war ich relativ schnell wieder draußen.

 

Als Freundin wollten mich viele an ihrer Seite haben, irgendwie habe ich so etwas vertrauensvolles, an mir gehabt… Einer, der man sein Herz ausschüttet und weiß, dies stets verwahrt, wie auf einer gut gesicherten Bank, zu haben. Andersrum funktionierte das nie, schüttete ich mal mein Herz aus oder berichtete mal von meinem Liebeskummer, dauerte dies oftmals nicht lange, bis es plötzlich alle wussten. Irgendwie schien es mir, dass man dachte, endlich eine Schwäche von der unnahbaren Nadia gefunden zu haben. Das sitzt tief und ist enttäuschend. So geht man seinen Weg, mit Menschen an der Seite, wo oberflächliches „Blabla“ stattfindet, immer mit dem Hintergedanken „erzähl bloß nichts von dir, wo man dich mit verletzen kann“.

 

Ich wurde älter, man lernt Menschen in seinem Job kennen und auch hier, wird um die Gunst gekämpft. Ich, skeptisch wie ich war, ging meist auf Abstand. Kämpfte derjenige lang genug, um meine Gunst, war ich stets aufrichtig und offen und immer da. Dann kam der spirituelle Weg, wo mir stets wichtig war, authentisch und bodenständig zu bleiben, nicht in höheren Sphären zu schweben. Licht und Liebe Gedöns mit Feenstaub…ist nicht meins, das gebe ich zu.  Doch auch hier, ich sah die Menschen stets „über mir“ stehen, denn ich kann ja nix und weiß ja nix. Ich bin an „Ausbilder“ gekommen, die das gnadenlos ausnutzten, die Freundschaftsschiene vorgaukelten und später in der Öffentlichkeit, gnadenlos mit meinen verletzbaren Seele Fußball spielten. Begibt man sich in solche Ausbildungen, ist es ja eben ein Prozess, man bearbeitet erst seine eigenen Themen…räumt bei sich auf, um später gestärkt mit Menschen arbeiten zu dürfen. Doch genau diese Person sagte mir „Nadia, Du gewinnst keine Freunde, weil Du zu wenig gibst, wahre Freundschaft besteht nur, wenn man auch mal Dinge von sich gibt, die man vielleicht nicht so gerne macht“. Die Nadia, so naiv wie sie war, dachte sich…OK, dann tue ich das mal. Irgendwie spürte das auch das Gegenüber, so kam eine „Freundin“ in mein Leben, da fuhr ich von Pontius zu Pilatus und wieder zurück, egal ob ich dafür mein Privatleben echt stramm organisieren musste, auch zog ich meinen Mann mit rein, wir wurden quasi der „Depp vom Dienst“ und das nur, weil man dachte, echte Freundschaft gefunden zu haben.

War ich dann mal wieder im Besitz meiner geistigen Kräfte, spürte ich, dass mächtig was schieflief.

 

Eines Morgens brach es dann mal am Frühstückstisch aus mir heraus, ich sah mein Baxterchen rechts neben mir sitzen und die Tränen flossen. Mein Mann, der die eher starke Nadia kennt, war mit diesem Fluss an Tränen doch erstmal ein wenig überfordert. Ich glaub ich heulte 45min lang, erzählte wie verdammt einsam ich mich fühle und es satt habe, ständig der zu sein, der gibt…

 

Nein, ich erwartete nicht, bei wahrer Freundschaft braucht man das auch nicht. Da stimmt die Waage, da gibt es keinen Vertrag, wie viel man geben soll und dann eben auch zurückbekommt…das passt einfach. Ein unausgesprochenes Gesetz…man rechnet nicht auf, man wertet nicht ab, man führt keine Liste und schaut, ob der Ausgleich stimmt….es passt einfach.

 

Dann schaute ich in die Augen meins Baxterchens und hörte irgendwie den Satz „du bist nicht einsam“. Seltsamerweise war danach gut, irgendwas in mir sagte plötzlich „dann ist das ebenso“.

 

Ich fühlte mich seitdem auch kein einziges Mal mehr einsam, sondern ich kann gut mit mir selbst.

Mein Zuhause definiere ich über meinen Mann und meine 2 Hundekinder.

 

All das was mich verletzt hatte floss mit den Tränen aus mir heraus. Es reinigte mich von innen und nahm den ganzen alten Mist mit. Ab dem Zeitpunkt suchte ich nicht mehr nach Freunden, machte mir keine große Mühe und gab nur noch das, was ich wirklich geben wollte. Ich verstellte mich nicht, gab aber auch nicht mehr alles von mir preis. Ich war vorsichtiger und skeptischer, ich prüfte und unterschied, was ist echt und was ist Geplänkel. Klar kamen dann noch Menschen in mein Feld, die mich gleich an ihr Herz drückten und mich als Freundin auserkoren haben und dachten, dass wir ab dem Zeitpunkt „beste Busenfreundinnen for ever“ sind, es dann aber spätestens dann merkten, wenn es bei mir nur bis zu einer gewissen Grenze ging.

 

Interessanterweise, ab dem Zeitpunkt, wo ich vor 8 Jahren angefangen habe, nicht mehr zu suchen, öffnete sich wohl ein neuer Raum. Bei meinen Ausbildungen war ich achtsamer, ließ nur „Lehrer“ in mein Feld, die authentisch und bodenständig waren, die gleich schwingen und denen ich mich öffnen konnte. Auch kamen Menschen an meine Seite, ob aus der Ferne oder in der Nähe, die mit meiner kostbaren Seele in der Öffentlichkeit kein Fußball spielen. Menschen an meiner Seite, die werten und vergleichen in der Art „du hast etwas was ich nicht habe“ oder „so gut wie dir geht es mir aber nicht“ ohne sich auch nur einmal die Mühe gemacht haben, die Hintergründe zu erfahren, diese Menschen sind normal nicht lange an meiner Seite.

 

Auch bin ich als Freundin wohl nicht einfach. Ich telefoniere nicht gerne…leider. Mal hört man auch lange Zeit nichts von mir, wer aber wirklich meine Hilfe braucht, darf sich jederzeit bei mir melden. Wenn es brennt, bin ich da…aber nur für die, die ich Verbündete nenne. Das sind nicht mal ne Hand voll, eine in der Nähe und die anderen weiter Weg, da kann ich mich „nackisch“ machen, so in echt die Hosen runter lassen, ohne zu wissen, ausgetragen zu werden. Sondern Menschen an meiner Seite habe, die mir wertvolle Tipps geben, mich unterstützen in dem was ich tue, weil sie mich schätzen so wie ich bin. Aber auch gnadenlos ehrlich sind, wenn bei mir mal was nicht so gut läuft. Diesen Menschen nehme ich das auch gar nicht übel, sie dürfen das, weil ich weiß, dass sie es nicht tun, um mich zu demütigen, sondern, um mich nach vorne zu bringen. Andersrum wäre ich ebenso für sie da…jederzeit. 

 

Doch weiß ich, dass es keine Seltenheit ist, wahre Verbündete zu finden ist nicht leicht. Meine Eltern waren ihr ganzes Leben lang auf der Suche nach Anerkennung, gaben mehr, als sie vielleicht wollten. Für eine Zeitlang übernahm ich dies und spielte für diese Menschen, die sich damals Freunde nannten, die „all in Nadia“. Ob ständiges einladen zum Essen, Seelsorge, Fahrdienst oder oder oder. Mein Mann hatte stets Freunde, die ihn darüber definierten, was er hat, was er kann und was er gibt. Da war stets die materielle Schiene im Vordergrund. Klienten berichten mir, dass sie lieber einsam sind, oftmals nur mit ihren Tieren im Rückhalt bleiben möchten, weil sie sich sicherer fühlen…nicht ausgeliefert.

 

Ich berichte immer, dass man wahre Verbündete nicht unbedingt in der Nähe findet, sie außerdem nicht suchen kann…sie einfach in das Leben kommen und da sind, egal wo sie wohnen oder herkommen. Manchmal bleiben sie ein Leben lang, manchmal gehen sie auch wieder…irgendwann trifft man sich wieder oder auch nicht. Doch diese Verbündeten leben mit ihrem ganzen Sein das Gesetz, sie werten nicht auf oder ab, sie führen keine Strichliste…sie wissen, dass es passt.

 

Sucht man sie, geht man mit einem ganz anderen Blick auf die Menschen los, man hat in dem Moment keinen gesunden Menschenverstand, man ist zu sehr verzweifelt, um wirklich unterscheiden zu können, was echt und was unecht ist.

 

In meiner schamanischen Ausbildung zum Abschluss traf ich auf einen Urahnen, der einsam für sich lebte…kurz bekam ich einen Schock, denn ich dachte „oh Gott, diese Einsamkeit, zieht sich wohl bereits durch alle Linien“.

 

Da sagte er „ich bin glücklich so wie ich lebe und Verbundenheit wird nicht durch direkte Nähe definiert“

 

Dafür bin ich dankbar, dass ich Verbündete an meiner Seite habe, die, die ich meine, die wissen das ich sie meine….