...er möchte nur mal "Hallo" sagen

…oder Mensch lernt nie dazu

 

Stell dir vor, du gehst mit deinem Hund spazieren. Hund freut sich auf sein tägliches Ritual, Mensch ist froh, dass Hund mittlerweile nach der Pubertät die Kommandos beherrscht, ohne das man völlig ergraut ist und das Spazieren gehen, zu einem entspannten Miteinander geworden ist. Dein Hund läuft Fuß, vertraut dir und weiß, dass du ihn beschützen wirst…bis plötzlich ein anderer Hund in Kälbchen Größe auf euch zu rennt und dessen menschlicher Begleiter nur hinterherschreit „der möchte nur Hallo sagen“. Abrufen ist anscheinend nicht möglich, weil der Hund entweder nicht hört oder von seinem menschlichen Begleiter ja das OK dazu bekommen hat „Hallo“ sagen zu dürfen.😏

 

In meinem Fall habe ich dann eine Hündin, dessen Nackenhaare sich runter bis zum Rutenansatz aufstellen, die Augen ganz groß werden und der Blick gewechselt wird, zwischen mir und in die Richtung des heranstürmenden Hundes. Deutlich nehme ich auch wahr, dass sie mich fragend anschaut in der Art „Du klärst das jetzt…oder“

 

Was mache ich in dem Fall? Ich stelle mich vor meinem Hund auf und versuche dem anderen mit der Körperhaltung zu sagen, dass er nicht vorbeikommt. Was sich relativ schwierig stellt, wenn der Hund aber dennoch versucht in einem Bogen zu meinem Hund zu kommen. Was passieren kann, dass man sich dann noch mit den anderen Hundebesitzer in die Haare kriegt, weil man ggf. seinen Hund abgewehrt hat.

 

Kurz um, um zu meinem Hund Vertrauen zu schaffen, bringe ich ihm doch bei, egal was passiert, ich beschütze Dich. Also, so sollte es zumindest in einer gut funktionierenden „Partnerschaft“ ablaufen, gegenseitiges Vertrauen.

 

Es könnte dann auch super entspannt sein, wenn Hundebesitzer untereinander die Regeln akzeptieren. Ich für meinen Teil, habe meiner Hündin beigebracht, rechts wie links auf Fußhöhe zu laufen. Sie läuft entspannt bei mir, ohne Leine, weil ich ihr ohne Leine das Gefühl gebe, jeder Konfrontation aus dem Weg gehen zu können. Dies funktioniert auch bei Mensch oder Hundebegegnungen zu 100%. Sie ist so eher der introvertierte Hund, sie hat lediglich so 4 Freunde und 2 oder 3, die gibt es, aber von denen werden keine Kenntnis genommen, auf alle anderen, hat sie schlichtweg kein Bock. Zudem ich ihr oft einfach genug bin und sie braucht nicht mehr zum Glücklichsein. Leider hat sie aus den oben erklärten Beispielen, so in der Art, schon oft eine drauf bekommen. Weil die anderen ihre Unsicherheit spürten und sie dann erst recht interessant wurde.

 

Dann gibt es die Hundebesitzer, die der Meinung sind, dass Hunde unter sich immer „Hallo“ sagen müssen und wollen. Wobei ich der Meinung bin, dass es unter den Tieren, auch die Introvertierten und Extrovertierten gibt.

Stell dir nun mal folgendes vor…. Du freust dich auf dein täglichen Spaziergang, es ist wie ein Ritual für dich, um den Kopf frei zu bekommen, den Gedanken freien Lauf lassen zu dürfen. Ggf. kommt dir auch mal wer entgegen, wo man mit einem freundlichen Nicken kurz „Hallo“ sagt, aber auf seiner Seite bleibt und seinen Weg zügig weiter geht. Vielleicht gibt es auch Menschen, in deinem Umfeld, mit denen du einfach nicht ins Gespräch kommen möchtest, weil die Gespräche so anstrengend sind und du dann nicht mehr auskommst. Plötzlich kommt aber ein völlig fremder Mensch mit wedelnden Armen und lautem Getöse auf dich zu gerannt, mit der Absicht, dich nun einfach mal feste Umarmen zu wollen…also, vergleichsweise vielleicht zum Popo schnüffeln bei den Hunden…ich für meinen Fall weiß, ich würde weniger freundlich reagieren, wenn mir plötzlich jemand so entgegen kommt. Wäre ich der Mutige, würde ich wahrscheinlich auf Konfrontation gehen, der eher Eingeschüchterte, würde ich wohl Panikartig um mich schauen und das Weite suchen.

 

Sicherlich können auch mal Fehler passieren, ich bin selbst Hundemama von zwei komplett unterschiedlichen Hundecharakteren. Während der Hundeopa immer noch der Meinung ist, voll mit Testosteron zu sein und liebend gern zeigt, dass er die männliche Variante ist. Obwohl er hier deutlich ein Schaumschläger ist, weil er, wenn es wirklich drauf ankommt, sich stets duckt und kein Beißer ist. Auch in der Pubertät, wenn die Hunde sich stark finden und austesten und ebenfalls nicht hören, ja…das passiert, dann entschuldigt man sich, geht zu seinem Hund hin, leint ihn an und lernt daraus fürs nächste Mal.

Doch solange der Abruf bei meinen nicht gesessen hat, haben meine auch nicht alles tun und lassen dürfen, nur weil sie eben noch nicht hören. Das nennt man Rücksicht.

 

Ich sehe es einfach bei meinen, ein Hundesenior packt das emotional und körperlich nicht mehr, wenn ein Jungspund, der gerade in Saft und Kraft steht und vollgetankt mit Hormonen ist, auf ihn zu gerannt kommt und nun erstmal denkt, den Opa zu dominieren zu wollen. Während mein Hundmädchen seit der 3´ten Läufigkeit keinen mehr an ihr Hinterteil lässt, ist ja auch ihr eigenes Recht, ihre Intimzone zu wahren.

 

Dreist finde ich dann die, die mir an den Kopf schmeißen, dass ich dann eben woanders Gassi gehen soll. Ja, was soll ich denn machen…soll ich vielleicht die Nachtzeit wählen, weil ich hier Gewissheit habe, dass ich keine Begegnungen habe? Ich denke immer, ich habe für meinen Teil dazu beigetragen, das Miteinander freundlicher erscheinen zu lassen, wenn ich meinen Hund entweder im Fuß vorbeiführe oder eben an der Leine und nur in den Freilauf schicke, wenn es beide so wollen.

 

Auch Sätze wie „das müssen die Hunde untereinander lernen“…ist meiner Meinung nach ein völliger Quatsch. Wenn Hund kein Kontakt wünscht, aufgrund negativer Erfahrungen oder weil sein Charakter das so hergibt, dann muss er dazu nicht gezwungen werden. Zudem, was passiert, wenn es dann knallt…muss das sein, dass ich meinen Hund in der Klinik zusammenflicken lassen muss, nur weil einer der Meinung war „das musste er eben lernen“?

 

Egal aus welchen Gründen auch immer, das ein Hundebesitzer nicht möchte, entweder ist der Hund alt und gebrechlich, nicht sozialverträglich, hat schlechte Erfahrungen gemacht oder einfach keine Lust darauf. Ich habe es zu akzeptieren und vor allem, zu respektieren. Letztendlich ist doch nix dabei, vorher einfach mal zu fragen, ob das Gegenüber das Gleiche wünscht, bevor man seinen Hund laufen lässt.

 

Ich habe einige Hundekontakte, denen es ähnlich geht und viele meiden tatsächlich mittlerweile Strecken, die hoch frequentiert sind, nur um ihren Hund zu beschützen, oder weil sie einfach kein Bock auf ständigen Ärger mit anderen Hundebesitzern haben.

Die Welt kann nicht aus denen bestehen, die sie im Alleingang erobern wollen, sondern aus einem Miteinander in gegenseitiger Rücksichtnahme.

 

*Text Privat, darf gerne geteilt werden*

*Bild von Katrin B. von Pixabay*