Der betagte Hund

Damals, als wir den ersten Hundebuben ins Haus holten vor 17 Jahren, da machte ich mir immer Gedanken. Gedanken, wie schnell die Zeit vergeht, wie es sein wird, ihn als Hundeopa zu haben und und und....

 

Seine Pläne waren anders als unsere, weil er bereits mit 9 Jahren seine Reise antrat und die Ebene wechselte. Irgendwie spürte ich es, von Anfang an, mit dem was er mit sich brachte…in meinem Innersten spürte ich, dass die Zeit, die wir haben, nicht so lange sein wird, wie wir es uns wünschen würden und er nie Hundeopa sein möchte.

 

Der zweite Hundebub hingegen, ein ziemlich aufgeweckter und frecher Bub, dem in jungen Jahren so gut wie nichts fehlte. Erst, als sein Hundekumpel starb, da machte er uns Sorgen und bekam die ein oder anderen Wehwehchen und brachte so mache gesundheitliche Herausforderungen mit.

 

Wenn ich ihn nun anschaue, mit seinen bald 13 Jahren, dann wird mein Herz schwach. Er spürt dies immer, wenn ich mit ihm kuschele, weil ich es genieße oder, wenn mit ihm kuschele und den Gedanken habe „bitte bleib noch ganz lang bei mir“, sobald er den Gedanken wahr nimmt, steht er auf und geht. Ihn nervt es, wenn ich diese andere Energie mitbringe….melancholisch werde.

 

Doch, ich sehe auch, was er an Zeit benötigt…die Aufmerksamkeit ihm gegenüber mehr wird.

 

Abgesehen davon, dass er viele Allergien hat, hier was anderes zu Essen braucht und bekocht wird von uns. Gerade weil er nicht alles verträgt, aber sich durchaus auch mal freut, wenn er Leckerchen haben darf und das Frauchen nun eben erfinderisch werden darf. Auch die Essenszeiten, dass er das Essen auf 3x braucht und eine Kleinigkeit vor dem Schlafen gehen, damit der Magen nicht übersäuert. Seine natürlichen Zusätze, die er braucht, das sich selbst das Herrchen einen freien Tag nehmen darf und sich eine große Liste notieren darf, um nichts zu vergessen, wenn ich mal außer Haus bin. Auch mein Tag, um 5 Uhr startet, wenn das Herrchen außer Haus ist und ich beide Hundekinder habe, wo eben 2 Gassi-Runden eingerichtet werden dürfen, einmal für den Jungspund und natürlich die seniorengerechte Runde. Die Blase nicht mehr solange einhalten kann, wie bei einem jungen Hund und er einfach öfters raus muss. An der Couch und am Bett, kleine Aufstiegs Hilfen sind, damit er uneingeschränkt überall hoch kommt. Das Ferienhaus „Treppengerecht“ ausgesucht werden darf, die Fahrtzeit mit Essens und Pippi-Pausen berechnet werden sollte und der Kofferraum mehr Hundesachen mit in den Urlaub transportiert, als für Herrchen und Frauchen.

 

Selbst ein Tagesausflug, einer Auswanderung gleicht. Ich sehe, wie er meine Zeit braucht, weil er eine Augenkrankheit hat und ich täglich die Augen spülen darf und eben stündlich tropfen darf, damit die Augen nicht austrocknen und er dadurch erblinden könnte. Dazu kommt, er liebt es nach seiner Art zu spielen und fordert es ein. Ich gehe regelmäßig mit ihm zur Physio, zum Chiropraktiker und mache viele Übungen täglich selbst, abgesehen von den abendlichen kurzen Massagen, um seine verhärteten Muskeln zu lockern, die er bezüglich der Fehlbelastung hat. Wenn sein Magen selten, aber hin und wieder nachts Probleme macht und er die Nacht durch die Wohnung wandert und einfach nur meine Hilfe braucht, damit ich ihm die Schmerzen nehmen kann. Noch so vieles mehr…ja, das ist alles Zeit, die ich/wir für ihn geben.

 

Dann sehe ich aber auch immer noch den kleinen Bub, der seinen Unsinn macht. Eigenarten entwickelt hat, die ihn noch liebenswerter machen, als er es eh schon war. Vieles bestimmt er selbst und wenn er meint, den Weg rechts entlang gehen zu wollen, dann tut er das. Egal ob wir bereits ausnahmsweise am Tag genügend gespielt oder trainiert haben, da wir dies eigentlich immer nach dem Abendessen tun, wird das auch nochmals eingefordert. Wie er *grinsend* über die Wiese rennt und sich des Lebens freut. Ich schaue in seine Augen und spüre die Dankbarkeit und die Liebe, mir/uns gegenüber…sehe, dass wir Eins sind und uns auch ohne Worte verstehen und ich spüre, wie was gemacht oder verändert werden darf, damit es ihm gut geht.

Wenn ich dann auf Menschen treffe, die das Abtun in der Art „Du bist schon so alt und willst immer noch spielen“ dann frag ich mich, wie deren alte Hunde dann irgendwann ihr Leben verbringen werden.

 

Ja, er ist schon so alt und möchte immer noch spielen. Die Kondition lässt nach, auch spielt er vielleicht nicht mehr so lange wie ein junger Hund, ohne danach tief und fest zu schlafen, um sich zu erholen, aber…er spielt und das für sein Leben gern. Sicherlich Senioren-gerecht, was heißt, es werden keine Bälle geworfen oder eben darauf geachtet, dass der Boden unter seinen Pfoten nicht wegrutscht. Aufgrund seiner Arthrose und Spondylose, werden auch eher Spielchen gemacht, die sein Körper nicht noch mehr schädigen, sondern ihn eben Kopf mäßig auslasten und dennoch Spaß machen. Mein Hundesenior, liebt es auf Trab gehalten zu werden, ob es beim Spielen mit uns, mit seinem Hundemädchen oder beim einüben kleiner Tricks ist und er liebt es, wenn er bei und mit uns sein kann.

 

Menschen die zu mir kommen und mir über ihren Senior berichten und mich dann erstaunt fragen, warum der Hund plötzlich so große Probleme mit dem Essen hat, stelle ich gerne die Gegenfrage ob die Oma im Haus auch noch die gleichen Portionen wegputzt, wie als junge Frau…oder auch ihre Essgewohnheiten anders wurden und sie eben mehrfach am Tag, kleine Portionen isst, weil der Magen das nicht mehr hergibt.

 

Auch menschliche Senioren, wollen bis zu einem bestimmten Alter fit gehalten werden und lieben es, solange wie es nur geht, eigenständig bleiben zu dürfen. Selbst geistig wertvolle Gespräche sind ihnen wichtig oder manche Senioren fangen das Basteln wieder an, um sich selbst beschäftigen zu können und selbst, wenn sie mal nicht mehr können, dann wollen sie auch nicht ins Nebenzimmer geschoben werden, sondern brauchen Beistand, Gesellschaft und Unterhaltung….und nein, der Vergleich zum Menschen, ist meiner Meinung nach nicht weit hergeholt, sondern passend!

 

Dann sehe ich die, die ihren Hundesenior die Bälle werfen und sich wundern, dass er humpelnd zurückrennt…“aber, es macht ihm doch so viel Spaß“ und sich dann wundern, wenn die Schäden irreparabel sind oder der Hund starke Schmerzmittel benötigt, die dann wiederum auf den Magen gehen.

 

Ein Hund denkt nicht darüber nach, was passieren kann, wenn er dies oder jenes tut. Auch wägt er nicht ab, ob er lieber 3x am Tag kleinere Mahlzeiten fressen sollte, damit der Magen nicht überfordert ist. Sehe ich meinen Hundeopa, der würde 24Std rund um die Uhr futtern, ebenso auch humpelnd dem Ball hinterher hechten, selbst dann, wenn er Morgen nicht mehr aufstehen könnte.

Einfach sich mal ein paar Gedanken machen, auf sein Gespür achten, wie das vielleicht bei der Oma oder dem Opa noch war. Gegebenenfalls kann man sich auch Hilfe holen, Tierärzte, Tierheilpraktiker, Hundetrainer, Tierphysiotherapeuten oder Tierkommunikatoren können da ebenfalls zur Seite stehen und wertvolle Tipps geben, auf was man nun beim älteren Hund/Tier achten sollte, damit man noch lange Freude an ihm hat. Der Hundesenior muss auch keine 13km mehr am Tag mit Joggen gehen, nur weil er das immer so gemacht hat. Wenn man achtsam ist und ein wenig Feingefühl hat, spürt man „normalerweise“ am ehesten, was sein Tier braucht.

 

Mir persönlich tut es weh, wenn der menschliche Begleiter genervt davon ist, wenn sein "betagtes" Tier, nicht mehr in den Alltag passt. Dabei sollte es, als Geschenk angesehen werden, das man sein Tier noch bei sich haben darf.

 

Ich für meinen Teil, hab in jungen Jahren bei ihm vielleicht auch nicht alles richtig gemacht, aufgrund seines Körperbaus, viel zu viel Ball spielen lassen. Dennoch haben wir versucht, die letzten 10 Jahre auf sehr Vieles zu achten, nicht umsonst ist er geistig und körperlich (ohne Medikamente und nur mit natürlichen Zusätzen) noch so fit, wie er es jetzt ist und hat diese unermüdliche Freude am Leben.

 

Hunde brauchen ihre Zeit, egal ob jung oder alt, viel Zeit, wenn sie was haben oder nicht mehr einfach im Alltag mitlaufen können, sondern der Alltag ein wenig angepasst werden darf…aber die Zeit, die man ihnen schenkt ist es meiner Meinung nach mehr als Wert, denn das, was sie einem dafür zurückgeben, ist für mich persönlich unbezahlbar…deshalb bin ich es gerne, die Hundemama und gebe dafür gerne was von meiner Zeit ab, weil mich meine Hundekinder glücklich machen und mir ihr Vertrauen schenken und mich dafür lieben, so wie ich sie lieben darf.

 

Ich bin dankbar, das erleben zu dürfen und für meinen kleinen Monchichi Hundeopa da sein zu dürfen ❤️

 

 

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