Kann jeder schamanisch Reisen?

Das war kürzlich eine Frage, die an mich gestellt wurde.

 

Ja, kann man, lediglich offen dafür sollte man sein, dass es Dinge gibt, die sich nicht beschreiben lassen.

 

Nun, bevor wir „Reisen“, bespreche ich alles in einem Vorgespräch, egal ob telefonisch oder vor Ort in der Praxis. Ich erkläre Schritt für Schritt. Letztlich, was ich nicht erklären kann, was wir in der Reise sehen oder was nicht, weil hier werden wir geführt zu dem jeweiligen Thema, was wir zu Beginn in das Feld gegeben haben.

 

Zum einen habe ich Klienten, die können sich tatsächlich nicht darauf einlassen, visuell wahrzunehmen und benötigen meine Erklärung. Oft kann es auch sein, dass das Unterbewusstsein dicht macht, aus Angst, etwas zu sehen, was man nicht sehen möchte. Da gehe ich eben vorweg und beschreibe alles, was ich sehe, bzw. durch was ich geführt werde. Kommen wir auf den Anteil, der sich in einer Situation abgespalten hat, erkläre ich die Situation, die sich mir zeigt. Spätestens da fühlt sich der Klient emotional hingezogen, entweder erinnert er sich, an genau die Situation, wie ich sie beschreibe oder es trifft ihn emotional sehr, das Tränen fließen oder es körperlich spürbar ist. Selbst den Glaubenssatz, den wir bei dem Anteil finden, berichten mir die Klienten oft, dass sie genau das empfinden und es nur nicht in Worte fassen konnten. Ich selbst wiederhole nur das bereits Wahrgenommene, lasse den Klienten selbst vervollständigen, ihn reinfühlen ob es sich stimmig anfühlt und man sich genau damit identifizieren kann.

 

Dann habe ich Menschen, die berichten mir, dass sie so etwas noch nie gemacht haben und erleben auf der anderen Seite plötzlich Bilder und finden sich in Situationen oder begegnen Menschen aus vergangen Situationen, wo sie sich sehr verletzt gefühlt haben. Da gehe ich dann tiefer rein, frage nach, was empfunden wurde und ob diese Emotionen noch präsent sind. Die Reisen förmlich allein und ich leite nur mit meinen Spirits an, ggf. mal hier und da hinzuschauen.

 

Andere wiederum nehmen nichts dergleichen wahr, lassen mich komplett vorausgehen und nur berichten. Erst, wenn die Emotionen kommen und ich beschreibe, wie sich der Anteil gerade fühlt, dann spüre ich, wie es den Mensch plötzlich berührt und diese Emotionen von früher noch 1:1 heute fühlbar sind. Manchmal finde ich den Anteil auch allein und verlassen in einem dunklen Wald wieder, was nicht heißt, dass man damals verlassen allein im Wald ausgesetzt wurde und sich da der Anteil abgespalten hat, es kann auch darum gehen, wie sich der Anteil in diesem Moment emotional gefühlt hat.

 

Die Bilder können auch zu Beginn der Reise etwas vernebelt sein und sich dann im Laufe nach und nach deutlicher zeigen, dass sich der Schleier lichtet.

Was oft alle berichteten, dass sie deutlich vorher eine Energie spüren konnten, bevor ich was ausspreche. So ist es nicht selten, dass man bereits die Kraft, eines Krafttieres spürte, bevor man es sah. Einer meiner Spirits ist eine Bärin, sie kümmert sich um die verletzten Kinderanteile, diese geborgene mütterliche Energie ist plötzlich deutlich spürbar, bevor ich es ausspreche. Aber auch die Energien anderer Dinge, wie ein Fluss, ein Wasserfall oder ein loderndes Feuer, deutlich wahrnehmbar sind.

 

Sicherlich erscheint mir schon beim Besprechen im Vorfeld, ein klares Bild, ich bekomme von meinen Spirits schon die „Geschichte“ gezeigt, bevor wir überhaupt gestartet sind. Doch das behalte ich erstmal für mich, solange ich nicht weiß, was Mensch selbst wahrnimmt oder in welche Richtung es ihn zieht, weil ich nicht manipulieren möchte, sondern selbst entscheiden lassen möchte, was die Seele frei gibt, erst dann schreite ich ein, wenn ich spüre, dass aus Angst „dicht“ gemacht wurde.

 

Menschen, die das noch nie gemacht haben, sind danach fasziniert, ob es an der Energie lag, die spürbar war oder eben an den Bildern, die man sah oder dass ich ein momentanes Bild genau beschreiben kann, die sich mit der Wahrnehmung des Klienten zeitgleich deckt. Wir reisen in dem Moment in derselben Welt, dafür gibt es keine Erklärung.

 

Jeder Mensch hat eine andere Art der Wahrnehmung, aber diese zu erklären, würde hier den Rahmen sprengen.

 

Aber wirklich jeder, der sich darauf eingelassen hat, konnte in irgendeiner Weise etwas spüren. Es muss nicht immer das visuelle Sehen sein, es kann ein Erspüren sein, ein Erinnern an Vergangenes oder eben was gerade in den Sinn kommt. Für eine schamanische Reise gibt es keine Vorgabe, sondern eben nur, sich darauf einzulassen, den Kopf bzw. die Gedanken mal ausgeschaltet lassen und zu Vertrauen auf das was kommt…und, ein wenig Mut, sich dem zu stellen, was einem so lange verletzt hat.

 

Text Privat

Bild von Winterseitler auf Pixabay