Mein Tier wird alt, was nun...

Da ich in letzter Zeit vermehrt immer mal Anfragen bezüglich älterer Tiere gehabt habe, möchte ich dazu ein paar Gedanken los werden.

 

Ich weiß, dass die Sorge groß ist, wenn man plötzlich mitbekommt, dass sein Tier altert. Sich mehrere Wehwehchen häufen und man ggfls. auch bemerkt, dass sie sich im Verhalten ändern. Ging und geht mir nicht anders und ich sitz oft da und beobachte mit Argus-Augen. Ja, eine Tierkommunikation ist da auch hilfreich, selbst nur, um zu erfahren wie es meinem Tier geht.

 

So kann ich es aus meiner Erfahrung berichten und auch aus dem, was ich als „Normal“ empfinde. Vor nicht ganz einem Jahr war mein Hundesenior schon 12,5 Jahre alt, die Gassi-Runden wurden zunehmendes kleiner, manchmal an den WE ging er noch die 3km Runde gemächlich mit, das entschied er dann oft selbst, weil er eben gerne mit seinem Hundemädchen dabei sein wollte. Oft war es so, dass man Mann und ich gemeinsam los gingen, sich aber dann die Wege trennten. Ich die Größere mit dem Jungspund und er die Kleinere mit dem Senior. Ist mein Mann beruflich unterwegs, laufe ich 2 getrennte Runden. Beim Hundeopi spürte man deutlich, er entschied die Runden nach seinem Gusto, so machte er auf seiner Spielwiese halt, um verstecken mit seinem Spielzeug zu spielen und mit sich selbst „Mullefatz“ zu machen. Was heißt, er hüpfte im Kreis und feuerte sich selbst mit seiner Kordel an (den Ball haben wir mit zunehmenden Alter bereits entfernt).

 

Plötzlich von jetzt auf nu wurde die Arthrose schlimmer, von einem Tag auf den anderen lief er schwerer und die Schmerzschübe wurden öfters. Wobei ich erwähnen möchte, dass wir bereits in jungen Jahren mit dem „Ballhetzen“, übermäßiges Treppensteigen, Stopp an Go Spiele usw. aufgehört haben bzw. dies sehr eingeschränkt, bis gar nicht gemacht haben. Ebenfalls bekam er von jung an Physio, Chiropraktik und hochwertige Zusätze (Gelenksunterstützend und gegen die Arthrose) ins Futter. Im Alter von 6 Jahren stellte man bereits Spondylose im LWS und HWS, Bandscheibenvorfall im TH und Arthrose in der Schulter, Ellenbogen und den Knien fest und eine viel zu kleine Patella für das Gelenk. All das, obwohl wir ihn nie diverse Spielchen haben machen lassen, aber aufgrund seines Körperbaus, war das ebenso. Bis vor ca. einem Jahr, kamen wir so gut wie ohne dauerhafte Schmerzmittel zurecht, weil wir wirklich alles ausgeschöpft haben, um ihn so gut es geht, fit zu halten. Quasi von einem Tag auf den anderen, konnte man ihm ansehen, dass der Körper nachlässt und all das, was er so liebte, wie das Rennen über die Wiese und sich im Kreis drehen, nicht mehr möglich ist…ohne dann gleich erst 5 Tage Pause zu machen, damit er sich erholt.

 

Jetzt ist er 13,5 Jahre alt, bekam lediglich im Sommer eine Schmerzmittelkur gespritzt, erhält CBD Öl und ein Zusatz. Wir gehen 2x die Wochen zum Physio-Schwimmen, ich massiere ihn jeden Abend und dehne die Gelenke, unsere Böden sind mit rutschfesten Decken ausgelegt, er trägt an den hinteren Pfoten Söckchen (die wir gefühlt alle 15min hoch ziehen) und das Gassi, da beobachten wir ihn gut, er läuft 1,5 -2,5 km am TAG in Etappen. Wir haben uns sogar einen Wagen gekauft, damit er an Stellen kommt, wo er allein nicht mehr hinkommt…jeden Tag das gleiche sehen und schnüffeln, ist ja schließlich langweilig.

 

Kommen dann Anfragen, wo beklagt wird, dass der Hund 15 Jahre, plötzlich nicht mehr mit wandern gehen kann und das die Familie nun sehr einschränkt, weil sie das eben gerne 4x im Jahr gemacht haben oder der Hund, der sonst immer am Tag seine 10km neben dem Rad mit fuhr und dies eben im zunehmenden Alter nicht mehr kann…tja….dann frag ich gern, wie das mit der 94-jährigen Mutti ist, ob die nun am Tag noch ihre 10km läuft oder auch ihre Tätigkeiten nun eingeschränkt sind.

 

Ich weiß, mit einem alten Tier, ändern sich die Gewohnheiten…aber, haben sie es nicht verdient, dass man ihnen gerecht wird? Ich unterscheide schon, wenn mein Opi alle Std. denkt, nun essen zu wollen, dass ich ihn auch mal auf sein Platz verweise oder dieses Betteln ignoriere. Ich kann schon unterscheiden, was Sturheit und das Ausnützen der Vorzüge sind oder was wirklich dem Alter zu gesprochen wird.

 

Mich persönlich macht es traurig, wenn ich dann höre „der muss das ab und muss eben noch am Tag seine 5km laufen“, bei meinem Opi könnte ich dann einen Haken dran machen, weil er das körperlich gar nicht mehr schafft. Nur weil es Tiere sind, haben sie doch kein anderes Verhalten, wie es ein älterer Mensch auch hat.

Was verändert sich also, wenn sie älter werden?

  • der Schlafrhythmus kann durchaus anders sein. Es gibt Tage, da schläft unser Opi bis der Wecker klingelt und an manchen Tagen, ist er um 3Uhr in der früh ausgeschlafen und hofft darauf, endlich jemand wach zu bekommen, damit das Essen fertig wird

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    sie laufen gemächlicher, sparen sich ihre Kraft ein (während das Pöbeln mit anderen Hunden noch durchaus gerne gehen würde oder das Spielen gern noch gefordert wird)

  • sie werden sturer und eigensinniger, zeigen klar, was sie wollen und was nicht…oder ignorieren es einfach

  • haben vermehrt Hunger, weil sie einfach vergessen haben, dass es bereits Essen gab und, schaffen nicht mehr so große Portionen auf einmal, weshalb wir das Essen aufteilen

  • der Magen macht Probleme und sie kämpfen mit Sodbrennen, weshalb wir auch hier Vorsorgen. Ggfls. darf das Futter altersgerecht angepasst werden.

  • hören nicht mehr so gut…oder hören nur noch das, was sie hören wollen. Manchmal schrei ich mir ein Wolf, um ihn zum Gassi zu rufen und er sitzt in der Küche und hört nicht. Öffne ich aber still und leise 30km entfernt das Honigglas, sitzt er direkt hinter mir ….

  • laufen schwerer, staksiger und steifer. Brauchen, bis sie sich einlaufen und benötigen ggfls. Unterstützung. Decken oder ABS Söckchen (während wir beides haben). Rampen fürs Auto, Wagen, unterstützendes Geschirr, um hoch zu helfen.

  • bei nasskaltem Wetter verschlimmert sich das Gangbild, frag mal einen Rheuma oder Arthrose Geplagten, wie der über die Nebel Zeit schimpft. Weshalb wir hier ein Fleece-Mantel anziehen. Jaaaa, auch große Hunde können so etwas durchaus tragen.

  • wollen dennoch spielen und geistig ausgelastet werden, gerade dann, wenn sie geistig noch fit sind und voll da. Unser Opi fordert sein abendliches Spielen und geistiges Training ein.

  • haben manchmal seltsame Verhaltensweisen. Unser Opi buddelt dann wie bekloppt in seinen Kudden rum oder dreht die Spielzeugbox auf links, um dann 10 min später geschafft auf der Seite zu liegen

  • benötigen Hilfe aufgrund gewisser körperlicher Einschränkungen. Unser Opi bekommt die hinteren Pfoten nicht mehr so gut hoch, um sich selbst zu kratzen, da wird eben einmal durchgekrault und unterstützt, wenn man es sieht.

  • brauchen Gelenkunterstützende Bewegung, um nicht vollkommen einzurosten. Physio, Unterwasserlaufband, kontrolliertes Schwimmen, Gassi-Gänge in Etappen

  • sie sind anhänglicher und wollen nicht mehr so oft allein sein. Mein Opi sucht plötzlich das Herrchen oder mich, weil er nicht mitbekommen hat, dass wir nur eine Tür weiter sind. Ebenso kuschelt er viel mehr als früher und lässt sich einmal am Tag so richtig durchknautschen, wobei er als junger Hund er „klein Grumpy“ war

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als wir jung waren und unseren ersten Hund hatten, haben wir uns über „Manteltragende Hunde“ lustig gemacht, auch das Kutschieren im Wagen. Schließlich haben wir einen kernigen Hund…tja….so schnell ändert sich die Ansicht….aber auch kernige Hunde, können bei gesundheitlichen Einschränkungen durchaus Probleme haben. Klar, wenn kleinere Hunde nur noch getragen werden oder in Handtaschen geführt werden und man den Anschein hat, dass sie keine Beine haben, ist das ein anderes Extrem und hat nichts mit gesundheitlichen Einschränkungen oder normaler Hundehaltung zu tun. Ich kann das bei unseren Touren gut beobachten, da wird man belächelt und Aussagen kommen „hat der Hund keine Beine, weil er gefahren wird“ oder „hat der kein Fell, weil er ein Mantel trägt“. Während Menschen, die ihre Tiere lieben, es nicht anders machen und es bei uns nachvollziehen können, was wir für den Opi machen. Unsere 3,5-järhige Hündin, trägt bei kaltem Wetter übrigens auch einen Mantel, um ihre Niere zu schützen, lediglich die Ausnahme, dass sie nicht im Wagen spazieren gefahren wird.

 

Das darf doch jeder für sich selbst entscheiden, ich bin kein Freund von „verpimpeln“, wenn ich aber meinem Hundeopa damit das Leben erleichtere, dann tue ich das gerne. Ja, auch weiß ich, dass ein Wolf das nicht bräuchte, aber…ich lebe ja schließlich auch nicht mehr in der Höhle und bedecke mich mit einem Bärenfell, wenn´s kalt ist. Die gezüchteten Hunde sind mittlerweile sehr weit weg, vom Ursprung. Unsere Rasse stammt aus der Schweiz und wird auf der Alm zum Hüten der Kühe genommen. Also, durchaus eine kernige Rasse. Früher war es wahrscheinlich auch so, dass die Hunde nicht alt wurden, wenn ihnen was gesundheitlich gefehlt hat. Aufzucht und Leben bei den Menschen hat sich verändert. Zumal ich weder auf einer Alm lebe noch eine Kuhherde besitze, um seinen Genen gerecht zu werden und sie dennoch in ihrem Leben ganz glücklich sind, mit den menschlichen Anforderungen.

 

Unsere Hunde sind Familienmitglieder, da wird eben auch auf die Bedürfnisse geachtet und mir liegt es fern, mein Opi einschläfern zu lassen, nur weil er uns mehr einspannt, unsere Lebensgewohnheiten sich dadurch ändern oder sein gesundheitlicher Zustand, für uns ein „Umstand“ ist. Ich kann es eher nicht nachvollziehen, wenn ich erfahre, wie meinen seinen Hundesenior zu Grunde richtet, nur weil ich der Meinung bin, er müsste noch all das mitmachen, wie es immer war. Gott sein Dank, sehen es die Menschen, in meinem direkten Umkreis ähnlich und handhaben es mit ihren Tieren nicht anders.

 

Eine mitdenkende und gesunde Weise, im Umgang mit seinem (alternden) Tier, das würde mir am Herzen liegen. Wenn das auch nun sehr Hundebezogen geschrieben ist, so passt das wohl auch auf andere Tierarten ganz gut. Sicherlich fährt man eine Katze nicht im Wagen spazieren oder häkelt ihr ein Mäntelchen, aber ich geh mal davon aus, dass hier jeder Tierhalter die Anregung verstanden hat

Man darf eben gut beobachten, wie es seinem Tier geht. Leid, empfinden wir Menschen, weil wir es nicht sehen können und nur, weil es schwerer aufsteht oder nicht mehr alles machen kann, leidet ein Tier nicht. Unser Opi ist sehr glücklich in seinem Leben, weil´s wir passend machen.

 

Schließlich hetze ich die 94-jährige Mutti oder den Opi auch nicht mehr durch die Straßen, also…sollte man normal nicht tun, wenn man sie noch gerne bei sich hat.